Steffen sah ihn starr an und schüttelte sich. „Wißt ihr, wer es mir noch erzählte, daß mein Liebchen Hochzeit hielte, mein Liebchen, und mich aufpeitschte und mir sagte, daß ich geschwind kommen müßte, da sie schon mit den Glocken läuteten? Der kleine Vogel, der um Mitternacht über die Siebenberge fliegt, der kleine Vogel, der erst ganz, ganz, ganz leicht ist wie ’ne ausgerupfte Sperlingsdune, aber immer schwerer, immer schwerer wird, bis er zuletzt so schwer ist wie ’n Kirkstein, wie ’n Kirkstein, so schwer und der Mensch, auf dem’s hockt, nicht mehr weiter kann, der Mensch. Wißt ihr, wie er heißt, der Vogel? Nicht? Der Vogel Unrecht! Ja, Jawohl! Und was er ruft? Fragt nur den Swän. Unrecht! Unrecht! Unrecht!“ — — —

Steffen würgte seine Stimme und schrie noch einmal, so stark er konnte: „Unrecht! Unrecht! Unrecht!“ — — —

Drewes wand sich wie unter Rutenschlägen und sagte in aufschluchzendem Tone: „Komm mit mir, Steffen. Es soll vieles wieder gut gemacht werden.“

Steffen lachte, trank und lallte: „Ich will euch was sagen, Vetter, bringt mir mein Schätzchen her — ja, mein Schätzchen soll kommen! — Sollt sehen, dem laufe ich nach wie ein Böcklein — bis ans Ende der Welt — wo’s auf einmal aufhört und ratsch runter geht — ratsch runter — und wir fliegen mit ’nander tausend Jahre und kommen doch auf keinen Boden, wo Drespen wachsen und Raden und Vogelwicken.“

Er machte mit der Hand kreisende Bewegungen, erhielt das Übergewicht, kollerte am Grabe herunter, streckte sich aus und murmelte noch eine Weile unverständliche Worte, die sich bald in tiefes Schnarchen verloren.

Man hob ihn auf, trug ihn nach des Bruders Hofe und legte ihn auf der Scheuer ins Stroh, damit er zunächst seinen Rausch ausschliefe.

Drewes hatte große Mühe, sich zu beherrschen. Als er in sein Haus trat, saßen die Gäste bereits beim Hochzeitsmahle. Es war ihm im ersten Augenblick, als müsse er alle hinaustreiben und alles ungeschehen machen.

Ein herzhafter Bursch lachte ihm zu, erhob sein mit hellem „Muskatwein“ gefülltes Glas, neigte sich zu dem Brautpaar und rief:

„Jetzt komm’ ich der Jungfer Braut ganz freundlich entgegen

Und wünsche ihr viel Gottes reichen Segen: