Indessen drängte das Jungvolk bereits nach der Scheune, die für heute zum Tanzboden hergerichtet war. Die Musikanten erhielten ihren Sitz auf der Diele und spielten durch die offene Tür, die auf die Scheune führte.

Nach altem Brauche hatte der Bräutigam mit seiner Braut den Reigen zu eröffnen und dafür den Musikanten einen blanken Taler einzuhändigen. Dann mußte er die Braut an den Jüngsten unter den Tänzern abgeben, der große, grobe „Fusthandschen“ (Handschuhe) über die Hände angezogen hatte und die stattliche Brautdieße (Spinnrocken) trug.

Einige Male herum — und vom Jüngsten wurde die Braut mitsamt der Brautdieße und den „Fusthandschen“ dem nächstältesten Tänzer zugeführt.

So wanderte Sophie ohne Pause aus einem Arm in den andern, und wollte sie keinen Gast beleidigen, so mußte sie walzen und hopsen ohne Aufhören. Ob sie Lust hatte oder Leid trug, ob ihr Atem reichte, danach fragte niemand; die Sitte hatte solche Rücksichten nicht vorgesehen. Dagegen wurde von der Hochzeitsgesellschaft sorglich acht gegeben, ob etwa ein Tänzer die Braut länger behielt als den üblichen Ehrentanz oder ob er sie von der Hand ließ, ehe er sie an den Nächstältesten abgegeben hatte. Beides war wider die Sitte und wurde mit schwerer Strafe geahndet. — Straffällig machte sich auch, wer ohne die großen Faustschuhe tanzte oder so wenig acht auf sich gab, daß man ihm während des Tanzes unbemerkt einen Schafschwanz an die Rockschöße heften konnte.

Während die Hochzeitsgesellschaft, die auf keinen Fall zu kurz kommen wollte, sich in dieser Weise unterhielt und belustigte, versuchte Vater Drewes drüben auf der Scheune vergeblich, den schlafenden Steffen auf die Beine zu bringen; er mußte ihn liegen lassen und sich damit begnügen, ihn sorglich mit warmen Decken zu versehen und der Obhut des alten Tagelöhners anzubefehlen, der für die Hochzeitstage mit der Wartung des Viehes betraut war.

Von Zeit zu Zeit begab sich ein Teil der Hochzeitsgesellschaft nach der Scheune, kehrte aber jedesmal mit der Nachricht zurück, daß der unglückselige Schläfer nicht zu „ermüden“ wäre und gewiß einen Siebenschläferschlaf täte.

Marten selbst ging nicht hinüber; seine gleichgültige Kaltblütigkeit war staunenswert. Man solle den „Strolch“ nur schlafen lassen; er wolle schon mit ihm „akkordieren“, wenn er sich nüchtern geschlafen hätte — wehrte er entrüstet alle Sorgen und Ängstigungen um den Heimgekehrten ab.

Man tanzte wieder, ließ auch die Brautdieße noch einmal herumgehen und sang dazu:

„Wenn he ’n Pott met Bahnen steiht

Und da ’n Pott met Bri,