Steffen sah sie an, sein Gesicht belebte sich, er sprang herab, stieß sie an die Schulter, ohne jedoch ihre Hand zu nehmen und sagte: „Biste ’n Wiesel oder biste ’ne Ratte?“

„Steffen!“ rief sie mit schmerzlich bewegter Stimme und faßte ihn am Arm. „Komm in die Stube, du wirst gewiß hungrig und durstig sein.“

Er machte eine verächtliche Geberde. „Ich habe erst ’ne Ratte gefressen. Ich danke für Vergnügen.“

Sophie überwand den Schauder und hielt ihn herzhaft am Arme fest. „Ein warmer Kaffee wird dir gut tun, Steffen.„ Er wehrte ab. „Wat! Wat? Aber ’n Schnaps möcht’ ich haben, ’n Schnaps. Auf so ’ner großen Hochzeit wird’s doch ’n Schnaps geben, auf so ’ner großen Hochzeit! Sonst schicke ich meinen Nachtraben aus; sollt ihr sehen, dann hab’ ich gleich ’n ganzes Faß, schicke ich meinen Nachtraben aus, meinen Nachtraben.“

Leider war auch bereits einer mit der Flasche da, und ehe Sophie es hindern konnte, hatte er sie schon am Munde und trank und trank, bis man sie ihm mit Gewalt entriß.

Er stierte um sich, stampfte mit beiden Füßen auf und schrie: „Musik! Jetzt wollen wir den Brauttanz machen, den Brauttanz!“

Ehe Sophie sich’s versah, hatte er sie gepackt und gewaltsam an sich gepreßt; und trotz ihres heftigsten Sträubens und trotz aller wehrenden Hände tanzte er mit ihr wie toll auf der Scheune herum.

Man lachte, aber nur einen Augenblick, dann begannen die lachenden Gesichter zu erstarren. Die Musikanten setzten an und brachen jählings wieder ab; die Mädchen kreischten, — Steffen brüllte wie ein Tier, riß und stieß alles nieder, was ihm in den Weg trat, und packte die ihm von den Männern entrungene Sophie immer wieder, und er packte sie mit solcher Gier und Gewalt, daß sie noch einen gellen Aufschrei tat und den Kopf schlaff zurückfallen ließ.

Nun gab es kein Zaudern mehr, und von allen Seiten hagelten derbe Fäuste auf Steffen herab.

Mit verwundertem Gesicht stürzte Marten auf die Scheuer. Aber noch eh’ er das Vorgefallene recht begriff, war Steffen bereits erschlafft und, aus Mund und Nase blutend, zu Boden gestürzt, so daß man die junge Frau mühelos von ihm frei machen konnte. Sie war ohnmächtig geworden, sah, als sie wieder zu sich gekommen war, mit entsetztem Auge um sich, klammerte sich an Marten und flehte: „Marten, vergreif dich nicht an ihm. Er ist nicht bei Verstande. Er weiß nicht, was er tut.“