Marten ging um den am Boden Liegenden herum, mit straffen Armen, die Fäuste geballt.

„Du bist wohl dem Tollhause entlaufen?“ schrie er ihn an.

Steffen hob das Gesicht, guckte blöd und wischte sich mit dem zerfetzten Ärmel das Blut vom Munde. „Das ist ganz gut möglich,“ lallte er und gähnte.

„Dann geh’ nur wieder hin, wo du hergekommen bist!“ schrie Marten. „Oder“ — er zögerte und fuhr gemäßigter fort: — „komm als ordentlicher Mensch nach Hause“ — — —

Steffen richtete sich auf, blieb aber auf den Knieen hocken, stierte Marten unverwandt an und ächzte: „Ich verschwinde schon wieder, Bruder, aber ich muß erst warten, bis der Nachtrabe kommt, der Nachtrabe, Bruder, und mich wieder wegträgt, der Nachtrabe. Mit dem Nachtraben bin ich gekommen, und mit dem Nachtraben fahre ich wieder ab. Krah — krah — krah! Heute nacht wird er wohl kommen. Krah — krah — krah! Der Nachtrabe! Haste auch Kreuzdornholz genug, Bruder, Kreuzdornholz? Krah — krah — krah! Kreuzdornholz. Bruder?“

Marten ließ sich von Sophie hinweg ziehen. Es war über ihn gekommen, daß er sich den Ärmel vor die Augen hielt und sich gewaltig stemmen mußte gegen das in ihm aufquellende Gefühl. Sein ganzer Körper zuckte von verhaltenem Schluchzen.

Man redete Steffen gütlich zu, Drewes half ihm beim Aufstehen; aber er wehrte sie alle von sich, schwankte hin und her und wandte sich dem Tore zu. Er hielt sich am Torpfosten, stand, als besänne er sich auf etwas, kehrte sich wieder um und rief: „Wißt ihr, was das kleine Vögelchen auf den Siebenbergen ruft, das kleine Vögelchen? Unrecht! Unrecht! Das kleine Vögelchen!“ Und dann schwankte er davon, von Zeit zu Zeit wieder herausbrüllend: „Unrecht! Unrecht! Unrecht!“

Bei den Eichen blieb er wieder stehen, lehnte sich an den ersten Baum, sprach vor sich hin, fuchtelte mit den Armen und brüllte wieder: „Unrecht! Unrecht!“

Eine Weile stierte er auf den Weg, der aus dem Dorfe hinausführt; er stob auch ein paar Schritte darauf fort, machte aber wieder kehrt und schlug den Weg ein, der über die Despe nach dem wüsten Hofe führt.

Als Drewes, der ihm mit einigen Männern sachte gefolgt war, beim Walnußbaume ankam, lag Steffen bereits wieder schlafend im Stroh der Scheuer.