Aus dem reichen Inhalt des VIII. Jahrgangs sei besonders hervorgehoben: „Schillerworte“. Zum 9. Mai 1905 aus Schillers Gedichten und Dramen zusammengestellt von Prof. Dr. Kinzel. „Schillers Demetrius“. Abhandlung von A. Zippel. „Bruder und Schwester“. Erzählung von Ernst Zahn in Göschenen. „Erinnerungen an Tholuck“. Eine Nachlese von Prof. Dr. O. Bertling. „Der Mutter Vermächtnis“. Erzählung von C. zu Putlitz. „Farben und Düfte“ von Dr. E. Dennert. „Im Mai des Lebens“. Aus meiner Soldatenzeit von † Staatsminister Dr. D. Bosse. „Das Gedächtnis“. Abhandlung von Reg.- und Schulrat Ernst Meinke. „Sizilische Streifzüge“ von Gym.-Direktor Dr. Friedrich Seiler. „Was zieht uns ins Hochgebirge?“ Betrachtungen von Prof. Dr. Karl Kinzel. „Kulturbilder aus Oberschlesien“ von A. Just. „Er ist wiedergekommen“. Betrachtungen von Dr. Peter Rosegger.

Verlag von Martin Warneck, Berlin W. 9.

Fritz Fliedner, Aus meinem Leben. 2 Bde. 7. bezw. 4. Aufl. Br. à Mk. 4.—, geb. à Mk. 5.—.

Das beste Urteil über das Buch gibt Staatsminister Dr. Bosse in einem Brief an den Verleger:

Berlin W. 27. Dez. 1900.

„Ich habe das schöne Buch mit großer Freude und reichem Gewinn gelesen. Ich bezeuge das um so lieber, da ich das Buch mit der Besorgnis zur Hand genommen hatte, daß die lebhafte Natur des Verfassers ihn zu allerhand Ueberschwänglichkeiten verleitet haben möchte, die der einfachen nüchternen Wahrheit Abbruch tun könnten. Das ist aber in dem Sinne, in dem ich es mir vorgestellt hatte, durchaus nicht der Fall. Es ist ein lebhaft und mit ungemeiner, man kann getrost sagen, mit jugendlicher Frische geschriebenes Buch. Alles, was Pastor Fliedner hier erzählt, trägt das unverkennbare und darum sieghafte Gepräge lauterer Wahrhaftigkeit, alles ist selbst erlebt und selbst erfahren. Und aus den Erfahrungen des Verfassers erklärt sich auch die zuweilen auch wohl über das Ziel hinausschießende Schärfe der Polemik gegen das römische Wesen. Das Buch ist ein aus tiefstem Herzen kommendes Zeugnis eines Mannes, der die Herrlichkeit der evangelischen Freiheit eines Christenmenschen in einem langen Leben tausendfach an sich erfahren hat, eines tapferen Streiters für die evangelische Wahrheit, der im Kampfe für eine gerechte Sache nicht gerade jedes Wort zuvor ängstlich auf die Wagschale legt. Sollte aber jemand gleichwohl an diesem oder jenem scharfen Ausdruck Anstoß nehmen, so wird er sicherlich überwunden werden durch die rührende und ehrliche Art, in der der Verfasser im Schlußabschnitt für jeden harten oder verletzenden Ausdruck um Nachsicht oder Verzeihung bittet. Gegenüber dem reichen positiven Inhalt des von Anfang bis zu Ende mit einem fast unwiderstehlichen Zauber fesselnden Buches sind jene Einzelheiten Minutien, über die man kein Wort weiter verlieren braucht. Das Buch zeigt uns in natürlich sprudelnder, mit völlig ungesuchtem Humor gewürzter Frische den Werdegang eines gottbegnadeten, seines Glaubens gewissen, allzeit fröhlichen Christenmenschen. Schon diese Natürlichkeit der Darstellung wirkt erfrischend. Aber von welchem Hintergrunde hebt sich der schon an sich menschlich und psychologisch interessante Lebensgang des Verfassers ab! Anschaulich öffnen sich vor uns die Verhältnisse des kinderreichen elterlichen Pfarrhauses, eines wahren Musters an Einfachheit, ungefärbter Frömmigkeit, schlichter Gastlichkeit. Und mit wie pietätvoller, zarter Liebe werden uns Vater und Mutter Fliedner gezeigt. Wie schlicht und wahr und echt wird die Erziehung der Kinder dargestellt, wie meisterhaft die unter Gottes wunderbarer Leitung sich entfaltende Diakonissenarbeit geschildert, wie fröhlich werden die kleinen und großen Erlebnisse in der Kinderstube, auf dem Gymnasium in Gütersloh und auf der Universität in Halle und Tübingen erzählt und das alles im Rahmen der auch die kleinsten Dinge im Menschenleben führenden göttlichen Liebe! Und dann wieder der Ernst und die Schrecken des Krieges 1866! Und schließlich die mit 140 Talern ausgeführte zehnwöchige Reise des fröhlichen Studenten nach Italien und Sizilien! Es ist wunderschön, und wer das Buch zu lesen angefangen hat, den läßt es nicht wieder los. Jede Menschenleben ist ein fortgesetztes Wunder, dafür werden dem Leser hier die Augen geöffnet, obwohl die eigentliche ernste Lebensarbeit Fliedners, der Dienst am Evangelium in Spanien, hier nur kaum andeutungsweise erwähnt wird. Ihnen und Herrn Pastor Fliedner danke ich aufs herzlichste für den Segen dieses Buches. Es ist ein gutes evangelisches Buch, dem man nur recht viele Leser wünschen kann.“

Verlag von Martin Warneck, Berlin W. 9.

Fr. Bettex, Prof., Bildung.

6.-10. Tausend.

Hübsch kart. Mk. 1.50.