Drewes wiegte den Kopf und schmunzelte. „Na, ja, heute habe ich doch ’n eigenes Nest und auch noch ’n bißchen drum und dran.“

„Ei, Naber, das sage ich auch!“ rief Oelkers lebhaft, worauf Drewes mit einer ihm wohl anstehenden Selbstgefälligkeit fortfuhr: „Und für ’n paar Morgen Land langte es wohl auch noch, wenn ich ’n Jungen hätte. Aber ich habe nur das Racker von Mädchen ...“

„’n Mädchen und ’n bißchen Bares ist immer was Rares,“ bemerkte Oelkers und schnalzte förmlich mit der Zunge.

Drewes rieb sich die Hände und lachte mit strahlenden Augen.

Oelkers stützte sich wieder auf die Hände und sah den alten Freund dankbar an.

„Andreis, du treibst mir alle Schmerzen aus ’n Knochen ’raus! Was freue ich mich, daß uns der liebe Gott so nahe beisammen gebracht hat und daß wir unser Leben lang so gute Freundschaft miteinander gehalten haben. Sieh“ — jetzt wurde seine Stimme etwas kleiner — „ich habe ja leider Gottes nichts zurücklegen können. Du weißt, man hatte immer seine liebe Not mit all den Lasten und Abgaben, und daß man nur seinen Hofherrn zufrieden stellte.“

Drewes ging hastig durch die Stube. „Düwel auch und Dunnerschlag, es ist nur ein Glück, daß der Bauer nicht auch den Himmel zu meiern braucht!“

Der Kranke nickte. „Mit dem Troste habe ich mich in meinem Leben oft getröstet. Hatten wir schlechte Jahre, war das Korn ausgewachsen und das letzte Schwein im Stalle krepiert, habe ich wohl manchmal gedacht, wie schön es doch im Himmel sein müsse, wo man keine Meiergefälle und keine ‚sonstige Prästationen‘ mehr auf sich zu nehmen braucht. Und darum, Andreis, freue ich mich nun auch, daß es jetzt so weit mit mir ist. — Aber so lange man noch da ist, denkt man doch an die Kinder. Man wünscht doch, daß sie ’s mal besser hätten.“

In plötzlicher Aufwallung schlug Drewes auf die Bettdecke, daß es klatschte.

„Henderk, wir wohnen zu tief, zwischen den Bergen, daß wir nicht recht um uns ’rum sehen können. ’ne halbe Stunde hüben, da sitzen wir mit der Nase im Woole; ’ne Stunde drüben, rennen wir uns ’n Kopf an ’n Sieben Brüdern ein. Da drunten gucken wir in die Haide rein und da droben wohl auch mal, ist ’s klar Wetter, bis zum Blocksberge ’rauf. Aber da drum herum geht die Welt erst an, und gegen die ist unser Tal nur wie ’n Schöttelkranz unterm Kaffeekessel. Heute morgen, als ich aufstand und aus der Bodenklappe guckte, stieg ’n großer Rauch überm Woole und über ’n Sieben Brüdern auf. Da dachte ich mir, das könnte der Rauch sein, der jetzt in allen Ländern von den Aschenhaufen der Herrenrechte aufsteigt, unter denen der Bauersmann seit so vielen Jahrhunderten zu kratzen und zu keuchen gehabt hat. Das ist ’n Rauch, der keine Augen beizt, das ist ’n Rauch, der die Dörfer hell und lustig macht, der die neue Zeit bringt, die schon Wicken-Thies prophezeit hat, in der die Bauern auch mal ’n Wort sagen dürfen und wenn sie wollen, auch mal Kutschen fahren können. Hei, Naber, so ’n schöner Rauch muß auch hier auf’m wüsten Hofe bald aufsteigen. Düwel noch mal! Haben wir nicht endlich ’n aparten König für uns gekriegt? Haben wir nicht das neue Gesetz, daß alles abgelöst werden kann? Donner, Naber, denkste denn nicht daran?“