„Och, Andreis,“ seufzte Oelkers, „das Gesetz, ja das ist wohl da. Aber — das Geld, Andreis, das Geld, das ist man nicht da. Das ist ’n Fisch für den, der ’n Regenwurm hat, Andreis.“
Drewes machte eine Handbewegung, als wollte er sagen: dieser bin ich. Er ging noch einmal durch die Stube, setzte sich wieder an das Bett und sagte mit einem Tone verhaltener Freude:
„Weißte, Henderk, mir kommt ’n Bauernhof unter dem alten Herrenjoch immer so vor wie ’n häßlicher alter Frosch, der erst tapfer gebissen werden muß, um in den wunderschönen Prinzen zurückverwandelt zu werden, der er einstmals war. Du kennst doch das Märeken von dem Mullkönige? Der kroch aus dem Waldeslaube wie ein großer Frosch und hatte auf dem Kopfe einen blutroten Kamm, der wie eine Krone aussah, und er sagte zu der schönen Kaufmannstochter, die so arm geworden war, daß sie im Holz Erdbeeren zum Verkauf pflücken mußte: ‚Ich will dich reich und glücklich machen, ich will dir ein ganzes Königreich zu eigen geben, wenn du mir den Kopf abbeißt.‘ Aber das Mädchen ekelte sich davor und lief weg, so schnell es nur laufen konnte. Aber die große Not trieb sie, daß sie dann doch wieder ins Holz ging und rief:
Mull, Mull, Mull,
Mien Harte is vull!
Da raschelte auch der Mullkönig wieder aus dem Laube, und sie packte das häßliche, abscheuliche Tier herzhaft an, drückte die Augen fest zu und biß ihm den Kopf ratsch ab. Da stand auf einmal ein wunderschöner Jüngling in prachtvollen Kleidern vor ihr und hielt ihr eine funkelnde Goldkrone hin und sagte:
De Kopp was miene,
De Krone is diene.
Und da tönten die Posaunen, und es kamen lange Züge von Rittern und Damen an, und es kam das ganze Volk und rief: ‚Vivat hoch! Es lebe unser König und seine Königin!‘
„Siehste, Henderk, und das bare Geld, das ich meinem Mädel mal mitgeben kann, soll dem häßlichen alten Mullkönige den Kopf abbeißen, daß er wieder ein wirklicher König werden und auch wieder eine wirkliche Königin haben kann — und wenn’s etwa noch nicht reicht,“ — er reckte die Arme, daß sie knackten — „Dunnerschlag, dann wird noch was gehobelt und gebohrt! Ha, ich freue mich auf den Augenblick, da Steffen vor euern Herrn hintreten kann und kann sagen: Hier ist das Geld für die Ablösung, und nun adjüs! Wir sind geschiedene Leute und kopulieren lassen wir uns niemals wieder! Ich bin kein Bauer, aber ’n Bauerskind und freue mich für meinen Vater, der in der Erde liegt, daß nun allerwärts ein rechter Frühling werden kann für den Bauernstand. Aber ich freue mich auch für mein Kind. Gebe ich deinem Jungen meine einzige Tochter, — he nun, so will ich natürlich auch, daß sie frei vom Joch auf dem Hofe soll schalten und walten können, daß sie die Schweine und Rinder, die Gänse und Hühner nicht aufziehen muß, bloß damit sich der Meierherr das beste dazwischen ’raus suchen kann.“