„Ja, die Mutter verstand sich besser darauf,“ beteuerte Steffen.

Drewes setzte den Krug mit einem tiefen Atemzuge auf den Tisch, fuhr sich mit der breiten Hand über die schmatzenden Lippen und beteuerte: „Laßt gewähren, Kinder, das ist’n ganz guter Trunk. Meine beiden Frauensleute brauen ihn auch nicht besser. — Besuchst du uns morgen, Steffen, soll dir meine Fieke auch ’n Kraus bringen. So, Junge, und nun leuchte mir ’raus!“

Steffen nahm den schwelenden Krüsel von der Stange und ging voran. Von der Schwelle der Stubentür ging eine schmale schwärzliche Holztreppe an einem großen Rauchfange vorbei auf einen rußgeschwärzten Raum, der Diele und Küche zugleich war. Die nächste und größere Tür linker Hand führte auf den Hof; eine Tür in der Innenwand nach dem Pferdestalle, auf dessen Nähe schon der eigentümliche Geruch deutete.

Es war sternenklare Nacht geworden; der Bach plätscherte, und eine Fledermaus schwirrte durch die Luft. Von der Kirchhofsmauer fiel ein Stein auf den Weg. Drewes dachte unwillkürlich an den Stein, der schon seit langen Jahren aus der Mauer der Godehardikirche zu Hildesheim hängt. Wie erzählt wurde, sollte Pappenheim ihn mit einer Kugel getroffen haben. Würde er einmal ganz aus der Mauer fallen, so müsse die Kirche an die Lutheraner kommen.

„Hoffentlich fällt er bald,“ sagte Drewes und sah nach dem kleinen Zwiebelturme, in dem sich’s regte, als schlüge der Hahn auf dem blinkenden Knaufe die Flügel zusammen.

„Das ist doch merkwürdig,“ murmelte er mit einem beinahe scheuen Blick über den Kirchhof und ging rasch vorüber.

An seinem Hofe angekommen, bemerkte er zu seiner Verwunderung, daß Marten und Sophie immer noch mit einander unter dem Rötchenbaume standen und Sophie immer noch die gefüllte Schürze vor sich hielt.

„I na,“ rief er hinüber, „sitzt denn die Eule immer noch im Rötchenbaume? Ich denke, Fieke, du kannst nun ’rein gehen. Es ist Zeit, daß die Mäuse aufstehen.“

„Sie hat sich da in irgend einen Baum verkrochen, Drewes Vetter!“ rief Marten hastig; er wolle aber die Nacht aufpassen.

„Ich glaube eher, sie sitzt im Kirchturm,“ meinte der Alte darauf und deutete an, was er im Vorbeigehen bemerkt hatte. „Laßt sie sitzen, wo sie sitzt, Kinder,“ schloß er, „ob im Rötchenbaume oder im Kirchturm, — der liebe Gott sitzt immer noch über ihr.“