„Na, die Pöttefrau wird wohl bald wiederkommen,“ tröstete Drewes und strahlte wieder in seiner behaglichen Gutmütigkeit.

„Drüben bei Oelkers wird sie auch nötig sein,“ meinte er hernach und setzte ihr eifrig auseinander, wie nötig bei „Oelkers Leuten“ überhaupt eine Frau täte. Dann hob er hervor, wie fleißig und brav der Steffen wäre, wie gut es ohne Zweifel ein Mädchen bei ihm kriege und was das noch für ein Hof werden könne, wenn erst einmal das alte abscheuliche Herrenrecht abgeschüttelt wäre und — „wenn — wenn — he ja nun, wenn unsre Fieke erst einmal darauf schaltet und waltet!“

Unbekümmert um den Eindruck, den seine Worte auf das gebückt am Herde stehende Mädchen machten, sprach er sich noch in eine ordentliche Begeisterung hinein: „Mutter und ich werden dann alle Tage ’rüber kommen und nach dem Rechten sehen, aber nicht den umständlichen Weg durchs Dorf, — nein, Fieke, ich werde die Stämme und Bohlen nehmen, die ich schon seit ’n paar Jahren zurecht gelegt habe, und werde uns ’n schönen Steg über die Despe bauen, so daß wir gleich aus unserm Hofe in euern ’rein kommen können. — Nun denke dir ’mal, Kind, wenn ich so abends im Schummern mit meiner Pfeife über den Steg komme, und dein Kleiner jauchzt: ‚Großvater, Großvater!‘ und kommt mir dann schon entgegengewackelt ... Fieke, ’ne größere Freude kann ich mir ja gar nicht ausmalen! Und dann der zweite Junge! der muß natürlich Stellmacher werden und ...“

„Vater, nein aber, so’ne Anschläge!“ zürnte Sophie mit abgewandtem feuerroten Gesicht. „Ich mag ja noch gar keinen.“

„Ein Mädchen wie du, das keinen Schatz hat, ist wie ’n Hund ohne Schwanz,“ rief Drewes und fuhr mit lachendem Munde fort: „Was sollte denn sonst ’mal aus unserm Hause werden und aus meinem schönen Werkzeuge? Das muß doch in der Familie bleiben. Es hat mir Mühe genug gekostet, darüber weg zu denken, daß du kein Junge geworden bist, Fieke, dem ich meine Werkstelle ’mal hätte übergeben können.“

Nachdem er noch eine Weile in Scherz und Ernst auf sie eingeredet hatte, sah sie an ihrer Schürze herunter auf den Pantoffel, den sie mit dem Fuße hin und her stieß und sagte: „Freien muß ich ja am Ende wohl ’mal, aber, Vater, muß ich denn gerade Steffen nehmen?“

Sie betonte den Namen so stark und eigentümlich, daß der Vater sie forschend ansah.

„Marten wäre dir am Ende wohl lieber?“

„Ach, bewahre Vater! Den ich lieber habe, der hängt ja noch am Löffelbrett!“ entgegnete sie sehr schnell und machte erst eine lebhaft abwehrende Gebärde, worauf sie flink einen derben Holzlöffel von der Wand nahm und vor den Augen des Vaters schwenkte; aber das Lachen, das sie dabei anhob, klang ganz ungewöhnlich gepreßt, und auf dem schelmischen Gesicht brannte ein ganz neues Feuer.

„An Marten kann ja auch ganz und gar kein Gedanke sein,“ erklärte Vater Drewes mit aller Bestimmtheit, begründete diesen Entscheid aufs umständlichste und schloß: „Es ist nun ’mal so eingerichtet auf der Welt, der Älteste geht vor, und es kann eben nicht jeder ’n Hof haben.“