Steffen war in glückseligster Stimmung und trug all seine Freud und Wonne zum Vater hinein. War er auch noch nicht zum endlichen Ziel gekommen, so glaubte er sich doch sagen zu dürfen, daß er dicht davor wäre und es nur noch eines einmaligen Apfelpflückens bedürfe, um auch das letzte kleine Ende zu überwinden. Immerfort klang ihm ihr lustiges Lachen vor den Ohren, sah er die hübsche, herrliche Gestalt vor seinen Augen. Herrgott, gab’s denn auf der ganzen weiten Gotteswelt noch solch ein liebes, lustiges, kräftiges und behendes Mädchen? Nein und nochmals nein!

O, Fieke sollt’s aber auch gut haben bei ihm, gelobte er sich mit Inbrunst, und müßte er auch alle Tage noch eine Stunde früher aufstehen und eine Stunde später zu Bette gehen.

Hei, wie ging ihm jetzt schon die Arbeit von der Hand! Wozu er früher eine Stunde brauchte, das brachte er jetzt gut in einer halben fertig, und es wurde ihm nicht halb so sauer. Ja, es war ein Drang und Zwang in ihm, noch immer mehr zu tun, sich namentlich auch Marten nach Möglichkeit gefällig zu erweisen, um den alten dummen Hader, zu dem nach seiner Meinung doch eigentlich gar kein Grund vorlag, vergessen zu machen. Da Marten die Eimer an der „Despe“ hatte stehen lassen, lief er in der Überwallung seines Herzens rasch hinaus, um für ihn das Wasser hereinzutragen.

Doch kam er mit seiner Gutheit übel an.

Marten eilte herbei, schob ihn hart von den Eimern weg und sagte mit kaltem Hohne: „Ich brauche keinen Bedienten. Steig du man wieder in den Apfelbaum.“

„Dazu ist’s mir jetzt zu dunkel,“ gab Steffen ärgerlich zurück.

„Steig du man wieder in den Apfelbaum!“ wiederholte Marten und füllte die Eimer, daß es rauschte und platschte, warf sich das Joch über die Schulter und trug die „Reise“ mit häßlichem Auflachen ins Haus.

Steffen ging kopfschüttelnd hinterdrein und grübelte vergeblich darüber nach, was er dem „Menschen“ nur getan haben könne.

„Mach du man, daß du in ’n Apfelbaum kömmst!“ rief Marten noch einmal mit galliger Bosheit von den wasserschlürfenden Gäulen her.

„Kinder, vertragt euch!“ jammerte der Alte, als die Brüder dann zusammen beim Abendbrote saßen und einander das Brot zustießen. „Kinder, vertragt euch,“ wiederholte er, „ihr müßt doch miteinander hausen, müßt doch miteinander auskommen! Soll über meinem Sarge die Zwietracht anfangen, soll ich im Unfrieden sterben?“