Als Steffen danach den Tisch abtrug und Marten allein in der Stube war, begann der Alte noch einmal und rief mit zitteriger Stimme: „Sieh, wie lieblich ist’s und fein, wenn die Brüder einig sein!“

Marten antwortete nicht. Er saß unbeweglich am Tische und stützte den Kopf in die Hand. Neben ihm stand die schwelende Zinklampe, deren trübes Licht kaum bis in die Ecke reichte, wo das Bett stand.

Steffen ging noch geschäftig ein und aus, und wenn er durch die Stube nach dem Bette hinschritt, wandelte an den Wänden jedesmal eine gespenstige Schattenfigur von riesenhaften Formen.

Draußen erhob sich der Wind und rüttelte an den Fenstern.

Marten ging hinaus und sah über den Bach. Vom Oberdorfe ertönte helles Hundegebell. Unter dem Himmel zogen schwere Wolken. Zuweilen fielen dicke Tropfen nieder; ein leises Klatschen tönte dann vom nahen Wasser her.

Er ging langsam auf den Bach zu; erst allmählich konnte er in der schweren Finsternis, die zwischen den Ufern lag, die blinkenden Wellen erkennen. Einen Augenblick zögerte er, dann stieß er den Fuß vor sich hin und ging mitten durchs Wasser. Ein Klatschen und Knacken — und Marten war wie ein Stück Finsternis in der Finsternis verschwunden.

Wenn der Wind sich hob, rauschend durch die Bäume dahinfuhr, entstand unter den Apfelbäumen allemal ein heftiges Gepucke.

„So ist’s recht, Wind!“ ertönte da eine heisere Menschenstimme neben Drewes Rötchenbaume, „nun braucht sie keine andere Hilfe zum Apfelpflücken.“

Und von der finsteren Gestalt, die sich da um den Baum schlich, reckte sich etwas empor nach den Zweigen, — ein noch stärkeres Schütteln entstand, und ein vieltöniges „Pucken“ ging abermals über den Rasen hin.

Als die Söhne das Abendbrot — vom Mittag übrig gebliebene Linsensuppe — verzehrt hatten, ohne daß dabei ein Wort im Guten oder im Bösen gefallen war, rief der Alte beide an, hieß sie sich neben das Bett setzen und sagte: