Es dauerte keine Stunde, da konnte er den Bautespruch so glatt und gut wie seine Lehrmeisterin, deren Ton übrigens zuletzt immer freundlicher und, man möchte sagen, immer hingebender geworden war.

Als er den Spruch nocheinmal ohne zu stocken „hergesagt“ hatte, wollte sie ihm auch die eigentliche Anwendungsform zeigen und ihn lehren, wie er die Hände halten und führen müsse, wenn er die Baute täte. Sie stand auf, während er mit feurigen Blicken an ihrem Gesichte hing, und sagte mit ein wenig verhaltener Stimme: „Siehst du, so muß es sein, und du mußt all deine zwingbare Kraft und Macht durch die Hände auf den Kranken ausströmen lassen. Mit ganzer Seele mußt du es tun. Siehst du, so!“ Und sie strich erst mit den flachen Händen über ihn hin; plötzlich aber strich sie ihm lang und lieb über beide Backen.

„Fieke!“ flüsterte er und wollte nach ihr greifen.

Aber sie war flink wie ein Vogel, hüpfte auf die Küchendiele herab, klinkte die Hoftür auf, guckte herum, lachte und fragte Steffen, der mit einem netzartigen Gewebe in den Händen auf dem Strohboden des kleinen Anbaues hockte und nach Sperlingen auslugte, wie viel er schon gefangen hätte?

Steffen kraute sich hinterm Ohr. „Noch keinen.“

Das „Luderzeug“ hätte seine Absicht wieder gemerkt und höhne vom Wallnußbaume, daß es ihm was pfeifen wolle.

In der Tat saß der Wallnußbaum so „gerakelt“ voll von spektakelnden Sperlingen wie von Nüssen, die übrigens auch aussahen, als ob sie Flügel hätten, da ihre Schalen großenteils schon geplatzt waren.

Er wäre überhaupt ein schlechter Vogelfänger, rief Steffen noch in mehr komischer als ernster Verzweiflung.

„Da magst du wohl recht haben,“ erwiderte das Mädchen und klatschte lachend in die Hände, worauf ein dichter Schwarm in den Himmelsraum hinaus stob.

„Fliegt, fliegt geschwind nach Bodenburg,“ rief sie hinterdrein, „grüßt den Herrn der Bauern und bestellt, Oelkers Steffen schicke euch, und die ihr etwa zu viel wäret, sollte der Herr Baron fürs nächste Jahr anrechnen!“