„Mädchen, der hat sich gescheut ... er hat’s nicht ’raus kriegen können,“ versicherte Oelkers und rief in Todesängsten: „Steffen, ist’s nicht so? Wo biste denn, Junge? Rede doch!“

Da richtete der Bursche sich auf, sein Gesicht war eine Glut, er tappte mit den Händen umher und stammelte: „Ja, Fieke, schon im ganzen Jahre hab’ ich’s dir sagen wollen, aber wenn ich meinte, ich war so weit, dann“ ...

„Ja, Junge,“ fiel Drewes lachend ein, „so ’nem vertrackten Mädel muß man aber auch ’n bißchen forscher kommen! Den Düwel auch! Da hätteste mich und deinen Vater mal sehen sollen, als wir ... na ja, so — nun ist’s ja gut. Gebt euch man gleich mal die Hände. Die Sache ist abgemacht!“

Steffen faßte sich, hustete, reichte dem tief erblaßten Mädchen die Hand und sagte treuherzig: „Sei nur nicht bange, Fieke, daß du’s schlecht kriegtest bei uns, und du sollst es gewiß mal nicht zu bereuen haben. Und daß nun unser Vater noch diese Freude hat“ ...

Aufschluchzend verhüllte sie ihr Gesicht mit der Schürze, und ein heftiges Beben ging durch ihren Körper.

„Ich hätte nicht sterben können, ich hätte im Grabe keine Ruhe finden können,“ flüsterte der Sterbende gänzlich erschöpft.

Da wischte sich das Mädchen mit der Schürze kräftig über die Augen her und hin, ließ dann die Schürze fallen, strich sich mit beiden Händen das Haar über den Kopf zurück und sagte: „Ihr sollt ruhig einschlafen können, Oelkers Vater, wenn es Gottes Wille ist.“ Sie hatte zum ersten Male „Oelkers Vater“, statt wie sonst „Oelkers Vetter“ gesagt. Und nun ging sie auf Steffen zu, reichte ihm die rechte Hand und sagte, wenn auch mit etwas dumpfem Tone: „Wenn’s Gottes Wille ist, Steffen, so will ich’s tun.“

„Gott segne euch, Kinder!“ flüsterte Oelkers mit einem matten Freudenstrahle.

„Gott mache euch glücklich, Kinder!“ sagte Drewes laut und feierlich.

„Nun will ich das Abendmahl nehmen und geduldig warten, bis mein letztes Stündlein kommt,“ flüsterte der Sterbende erleichtert und schloß ruhig die Augen.