„So gut wie im Heu liegen nicht,“ knurrte der und stieß mit dem Fuße zwischen die Hühner, die eben wie in heller Freude über die Ankunft der Pferde herbei gelaufen kamen.

Da gröhlte der Hahn: „Wat is dat für ’ne Sak?“

Alsbald reckte auch ein kleines Huhn den Hals und strengte sich seltsamer Weise gar sehr an, um etwas ähnliches wie der Hahn heraus zu bringen.

Nun ließ Steffen die Ringkoppel fallen, die er eben lösen wollte, scheuchte das Huhn weg und rief: „Ich dreh’ dir ’n Hals um, wenn du nicht still bist.“

Marten aber nickte dem Huhne, das sogleich wieder umkehrte, befriedigt zu und sagte: „Krähe nur, krähe nur!“

Die Brüder wußten alle beide: Wenn ein Huhn wie ein Hahn kräht, so gibt’s ein Unglück. Man soll ihm lieber den Hals umdrehen. —

Steffen überwand aber seinen Unmut, führte die Pferde in den Stall, rief nach dem Bruder zurück, ob sie die Weidenbreite als Dreisch liegen lassen oder doch lieber umpflügen sollten und fragte noch nach diesem und jenem, ob er auch keine oder höchstens eine „quere“ Antwort erhielt.

So ging es nun die folgenden Tage ständig fort. Je unzugänglicher Marten sich erwies, desto größer wurde Steffens Hingebung gegen ihn. Er übersah und überhörte vieles und alles, was Martens immer größer werdende Anmaßung ihm Ärgerliches bot, ertrug seine üblen Launen ohne Mucken, ließ sogar Martens Willen in allen Dingen den Ausschlag geben. Und da Marten sich diese Gutwilligkeit nicht nur gefallen ließ, sondern sie als etwas durchaus Selbstverständliches anzusehen begann und das Übergewicht seiner Stellung mit Fleiß zur Schau trug, so schien es in der Tat, als wäre er der Herr und Steffen der Knecht.

Eines Morgens, als Sophie auf den Hof kam, sah sie zu ihrer Verwunderung, daß Marten, den sie längst im Felde glaubte, gerade erst die Gäule an den Pflug spannte. Er fuhr seinen Bruder, der den Pflug erst hilfsbereit auf den „Stert“ stellte, mit herrischer Stimme an und ließ ihn laufen wie einen kleinen Buben. Und Steffen lief ohne Unterlaß.

Das heiße Blut schoß ihr ins Gesicht, und es war ein zorniger, ja ein fast böser Blick, den sie Steffen zuwarf.