Der Vater läge deshalb um nichts besser, er aber, des Vaters Nachfolger, um so schlechter, dachte Steffen und rieb sich die Stirne, auf der sich in dieser Zeit die ersten Falten bildeten. Er holte ein frisches Brot aus dem Keller, schnitt es an und sah, daß es stark verschimmelt war. Da freute er sich und aß so viel von dem Schimmligen als er konnte; denn wer schimmliges Brot ißt, findet Geld.

Die Spätkartoffeln waren gerodet, die Rüben gezogen, und jetzt hatte man nur noch eine halbe Woche bis zum Martinitage.

Steffen lief wieder einmal auf die Bodenkammer und überzählte, wie er schon alle Tage getan, die vorhandene Barschaft; fand aber immer nur elf Taler und vierundzwanzig Mariengroschen. Es war ein hartnäckiges Geld und wollte sich von selbst durchaus nicht vermehren. Und gefunden hatte er noch immer nichts, so viel schimmliges Brot er auch essen mochte.

Sollte er am Ende doch dem Rate des Vaters folgen und einen von den beiden „Läufern“ verkaufen?

Ja, wäre nur gleich ein Käufer zur Stelle gewesen, der ihm ein annehmbares Gebot gemacht hätte. Er klappte in seinen „Holschen“ die Treppe abwärts, ging in der Stube herum, holscherte die Küchentreppe herab und ging bedachtsam über den Hof nach dem neuen Anbau, um die kleine Tür aufzuriegeln. Zwei prächtige junge Schweine lagen da mollig im Kaff und hoben bei seiner Annäherung gemütlich die Köpfe.

In einem zweiten Abteil, das von dem ersten durch eine Bretterwand geschieden war, lag ein älteres, schon halbfettes Tier, das Steffen mit einem höchst mißliebigen Blick ansah. „Das Aas frißt einen noch ratzekahl,“ knurrte er.

Es war das Mahlschwein, das für den Meierherrn gefüttert werden mußte.

Mit Wohlgefallen hafteten dagegen seine Blicke auf den beiden Läufern. Er sah sie wohl eine halbe Stunde lang an, krauete ihnen und sich selbst den Kopf und seufzte: Es wäre doch schade, jetzt ein so junges Vieh aus der Hand zu lassen. Wie wacker hatten sie sich nicht in der letzten Zeit herausgemacht, seitdem Sophie sie regelmäßig fütterte.

Ja, es ginge doch nichts über eine Frauenhand, zumal wenn sie immer ein wenig im Schroteimer rühren könnte. Ihm stand das prachtvolle Fressen wieder vor Augen, das sie an jenem Tage, als er sich auf dem ersten Freierbesuche befand, zurecht machte. Er schnalzte wieder mit der Zunge wie damals und sagte zu den Läufern: „Ei weih, wenn die euch erst mal als ordentliche Frau vom Hause besorgt, ei weih, dann werdet ihr ein Leben kriegen ... Freilich wird dann auch mehr Schrot und Milch drauf gehen,“ unterbrach er sich etwas bedenklich.

Marten trug in diesem Augenblicke zwei Eimer von der Despe her. Da packte Steffen der Gedanke, ihn wegen des erwogenen Verkaufs um Rat anzugehen. Sicher würde auch er dagegen sein, dann aber doch nicht umhin können, ihm, ohne daß er darum bäte, das fehlende Geld zu leihen.