„Fieke!“ stieß er mit keuchendem Atem heraus, und da sie den Kopf tief herabsenkte, schlang er mit leidenschaftlicher Gewalt beide Arme um sie und küßte ihr Gesicht mit heißem Ungestüm.

Sie ließ ihn gewähren, legte den Kopf an seine Brust und brach in tiefes Schluchzen aus.

An der Despe herauf hörte man einen Schwarm laufender Kinder, die heute einen lustigen Tag hatten.

Sophie zuckte zusammen. „Laß mich, laß mich! O Gott, was tu ich für ein Unrecht!“

Er aber hielt sie fest umschlungen. „Fieke, du hast meinen Bruder ja nicht gern ...“

Sie schwieg und weinte still.

„Du kannst ihn ja nicht gern haben,“ flüsterte er an ihrer Wange.

„Und dich darf ich nicht gern haben,“ schluchzte sie und machte abermals einen vergeblichen Versuch, von ihm los zu kommen.

„Warum darfst du mich nicht gern haben, nicht lieb haben, Fieke?“ Und in aufflammendem Zorn rief er: „Nur weil ich keinen erbärmlichen Hof habe?“

„Ach Marten, was fragte ich nach dem Hofe!“ klagte sie. „Barfuß und barhäuptig wollte ich gehen bis ans Ende der Welt, in einem nassen Erdloch wollte ich wohnen, hätte dein Vater nicht mein Versprechen mit sich hinabgenommen in die Erde. Denk’ an die Todesstunde deines Vaters, Marten, und sag: konnte ich armes, schwaches Menschenkind denn anders handeln?“