Sophie schlüpfte in ihrer Verwirrung durch die Tür, die in den Stallgang führte. Marten nahm eine Mulde aus der Ecke und tat, als wäre er in eifrigster Arbeit.

Es war der Schäfer, der, mit einem teilweise gefüllten Sacke auf dem Rücken, seinen „Marten“ einsammelte.

Marten log, er hätte gerade schon etwas für ihn holen wollen, und holte eiligst, ohne den Spruch des Alten abzuwarten, eine Mulde voll Steckrüben und Kohlköpfe aus dem Keller, schüttete sie in den Schäfersack und eilte geschwind auf den Boden hinauf, um noch eine Mulde voll Gerste zu holen, die er dann ebenfalls in den Sack leerte.

„Na, Marten, laß ’s man sachte gehen, ich habe ja Zeit,“ suchte der Schäfer ihn zu beruhigen und sah ihn verwundert an, denn er war nicht gewohnt, daß man um ihn so lief. Ich habe Zeit, Marten,“ wiederholte er.

„Aber ich nicht, Wolter,“ erwiderte Marten hastig und erzählte, daß er heute allein sei und alle Hände voll hätte. Und da die Pferde wieder stampften, sagte er, es wäre auch kein Häcksel mehr geschnitten, drum müsse er gleich auf den Boden, und Wolter möchte es nicht übel nehmen, wenn er ihm heute keinen Stuhl böte.

Och, er hätte Zeit, und im Dorfe käme er schon noch herum, versicherte der Schäfer nochmals in seiner Arglosigkeit und erbot sich gar, ihm beim Häckselschneiden „’n Augenblick“ zu helfen.

Marten stieß unwillkürlich mit dem Fuße auf und schüttelte den Kopf. Beim Häckselschneiden stände der eine dem andern nur im Wege; ihre Schneidelade wäre auch von einer ganz besonderen Art, die müsse man erst gewohnt sein, versicherte er immer hastiger und drängte den Schäfer förmlich zur Haustür hinaus.

Aber die Klinke, die eben der Schäfer losgelassen hatte, drückte im nächsten Augenblick bereits wieder der Kuhhirt, der gleichfalls mit einem über die Schulter geschlagenen Sacke herein kam.

Marten sah ihn an, als ob er ihn erwürgen wollte. Der alte Hirte sah aber nicht nach seinem Gesicht, sondern suchte sich gleich einen Platz zum Ruhen aus. Es half nichts, Marten mußte abermals mit der Mulde in den Keller und auf den Fruchtboden. Und da er wußte, daß der Kuhhirt nicht fortginge, eh’ er nicht einen aus’m „Stammende“ bekommen hatte, so nahm er schnell den Buddel aus dem Schranke und sagte: „Prost, Chrischan! Aber dann nimm’s nicht weiter übel, — ich muß auf ’n Boden und geschwind ’n bißchen Häcksel schneiden; du hörst, die Gäule scharren mir sonst ’n Loch in ’n Stall.“

Christian trank, nickte gutmütig, sah in den Sack, sagte „noch ’n bißchen Linsen könnteste mir geben,“ trank wieder, während Marten schnell nach den Linsen lief, warf sich dann den Sack gemächlich über den Rücken, sagte, daß voriges Jahr um diese Zeit Vater Oelkers noch gelebt hätte, seufzte, wischte sich über den eigentümlich zusammengezogenen Mund und ging ganz wie ein Leidtragender hinaus.