Horch, horch! Wieder kam durch die dämmerige Stille der klagende, seufzende Ruf.
„Es ist gerade wieder wie damals, als unsere Mutter starb,“ sagte Marten. „Das Leichhuhn hat gemerkt, daß es auch mit unserm Vater nicht mehr recht gehen will. Aber ich werde jetzt alle Nacht aufbleiben und es schon fortkriegen.“
Die Büsche schlugen wieder zusammen, das Mädchen stand wieder ganz vorn am Uferrande und fragte bestürzt: „Steht’s wirklich so arg mit eurem Vater?“
„Er wird alle Tage hinfälliger,“ sagte Marten traurig.
„Na, er wird sich schon wieder aufrappeln,“ meinte sie, merklich bemüht, einen beruhigenden und ermunternden Ton zu treffen. „Euer Vater ist eine zähe Natur, der hat schon viel ausgehalten; ich meine, da kann die alte Eule noch lange schreien.“
Da schrie sie auch schon wieder. Doch die Rufe kamen jetzt aus den Obsthöfen drüben überm Bach her, und es fragte sich nur, aus welchem Hofe und von welchem Baume?
„Vielleicht sitzt sie gar in unserm Rötchenbaume,“ rief Fieke ängstlich und sah sich mit Schaudern um.
„Warte, da soll sie sich aber verjagen!“ Und er wollte sogleich über den Bach, als sie warnend den Finger erhob und lachend mahnte: Er hätte ja nur Holzschuhe an und würde ganz nasse Füße kriegen.
„Besser nasse Füße als nasse Ohren!“ Da hatte er auch schon ein paar große Steine aufeinander gelegt und sich im Nu hinüber balanciert.
Die Büsche schlugen wieder zusammen, und bald sah man die beiden drüben unter dem Rötchenbaume, dessen breite Zweige unter der Fülle seiner rotbäckigen Äpfel tief niederhingen.