Da kam unter den Zwetschenbäumen her, zwischen deren dichtem Gezweige sich ein freundliches Haus erhob, ein mittelgroßer, kräftiger Mann mit breiter Brust und einem gesunden, etwas vollbackigen Gesicht, das von einer tief ausrasierten Bartkrause umrahmt war. Barhäuptig und in bloßen Hemdärmeln, hatte er die eine Hand gemächlich hinter die blauleinene Handwerkerschürze gesteckt, während er mit der anderen die kurze, knorrige Pfeife hielt, der die paffenden Lippen einen urkräftigen Knasterduft entlockten.
„No, Junge, wie geht’s denn?“ rief er in einem anheimelnd tiefen Tone, „ist die Leber und alles andere noch frisch und gesund? He, ich denke doch?“
„Bei mir wohl, Meister Drewes, aber beim Vater nicht!“
„Ach, der läßt sich so leicht nicht unterkriegen, Junge, dein Vater! Der ist von Stahl, habe ich immer gesagt.“
„Aber, Drewes Vetter, wenn der Multworm[2] dicht am Hause wirft und ’s Leichhuhn ruft, muß das doch etwas zu bedeuten haben.“
„Du solltest doch mal hinüber gehen, Vater,“ mahnte die Tochter und berichtete voll Eifers, was sie von Marten gehört hatte.
Da ließ Drewes die beiden stehen und ging mit ordentlicher Hast nach dem Hause zurück, um durch die Pforte auf die Straße zu gelangen, die zwischen einer kleinen Gruppe alter Eichen hindurch über die hölzerne Despebrücke und an der verfallenen Kirchhofsmauer vorbei dem Oelkersschen Hofe zuführte.
Zweites Kapitel.
Steffen, Martens älterer Bruder, hatte inzwischen dem Vater das Bett zurechtgemacht, das in der Wohnstube an der getünchten Innenwand aufgeschlagen war; er hatte das Stroh hochgelockert und einen mit selbstgewirktem groben Leinen überzogenen Pfühl darauf gelegt, dann dem leise ächzenden Vater sorglich hinaufgeholfen. Nun tastete er auf dem Boden umher, um die hingefallenen Strohspiere aufzulesen.