Als Drewes sein Gesicht wieder in Ordnung hatte, drehte er den Kopf noch einmal zu dem Burschen herum und fragte, um ihm auch eins zu versetzen: „Wohin wollteste denn eigentlich mit dem Mädchen, Junge? Etwa ins Spritzenhaus? Hm?“

„Wenn man sich’s gut einrichtet, Drewes Vetter,“ antwortete er, „ist auch im Spritzenhause ganz gut wohnen.“

„Oder kannste ein Handwerk, daß du dir hättest ’n Haus erwerben können wie andere Leute, hm?“ fragte Drewes wieder. Er wartete aber die neue Antwort nicht mehr ab, sondern machte sich rasch fort und schüttelte nur noch immerfort den Kopf, so daß die Leute, die ihm begegneten, ganz verwundert hinter ihm hersahen.

Elftes Kapitel.

Die Hühner waren bereits ihre kleine Leiter hinter der Kuhstalltür hinaufgeklettert. Marten trug Brot und Käse auf den Tisch und wollte sich gerade zum „Halbabendbrote“ niedersetzen, als er draußen ein schweres „Gratscheln“ vernahm. Er wandte sich gegen das Fenster und sah seinen Bruder, den gefüllten Sack auf der Schulter, schweren, müden Schrittes auf den Hof wanken.

„Ha, er bringt das Korn wieder mit!“ sagte er leise und trat hastig nach der Mitte der Stube zurück, während ein seltsames böses Leuchten aus seinen Augen ging und die Nasenflügel zu beben anfingen. „Er bringt das Korn wieder mit; jetzt möchte ich wissen, ob er den Meierbrief bekommen hat.“ Er setzte sich an den Tisch und begann zu essen, aber der Bissen lag ihm wie Lehm im Munde, er bemühte sich vergeblich, ihn hinunter zu bringen.

Da stampfte es die Treppe herauf, und Steffen trat in die Stube, noch keuchend von der Last, die er getragen hatte. Sein Kopf, von dem die fahlen Haare unordentlich herabhingen, dampfte, der ganze Körper bebte, und das von Schweißlinien durchzogene Gesicht glühte in dunkler Röte. Er grüßte nicht, er sagte auch sonst kein Wort, sondern ging, den Kopf ein wenig nach der rechten Seite geneigt, dreimal im Bogen neben dem Tische hin.

„Na, Steffen,“ begann Marten ganz unbefangen, „nun haste hoffentlich den neuen Meierbrief in der Tasche, und ich gratuliere dir auch zum Hofe.“

„Unserer Katze kannste gratulieren oder unserer Kuh, wenn’s dir um ’s Gratulieren ist, du — Hund du!“ schrie Steffen.