„Hoho, sachte an!“ rief Marten mit scheinbar staunendem Gesicht; „haste weiter nichts mitgebracht von Bodenburg, als den Hund?“
Steffen stieß einen schnarchenden Laut aus, schlug auf den Tisch und schrie: „Wer hat mir das Hinterkorn in den Sack getan, du Hund du?“
Marten sah auf den Tisch und schnitt sein Brot in Würfeln. „Was habe ich mich um deinen Sack gekümmert! Als ob nicht noch andere Leute genug vorübergegangen wären, die dein vieles Sichten und Lesen zum Schabernack gereizt haben könnte.“
„Du hast’s getan — du, du Hund du! ’n Streich haste mir spielen wollen, weil du Wut auf mich hast, daß du den Hof und das Mädchen nicht kriegen kannst. Dich kenn’ ich jetzt, dich!“
Marten zuckte verächtlich die Achseln, führte einen neuen Bissen zum Munde, kaute und antwortete: „Du bist heute morgen wohl mit ’m linken Fuße zuerst aufgestanden?“
„Halt’ den Atem an, du, und schäme dich vor unserm Herrgott!“ ächzte Steffen.
Marten stand auf, sah forschend von der Seite und sagte in gleichgültigem Tone: „Der gnädige Herr muß dir ja einen sehr bösen Willkomm bereitet haben, daß du auf einmal so außer dir bist.“
Die Uhr hob aus und kündete mit blechernen Schlägen die Stunde.
Steffen schritt verzweifelt durch die Stube. „Wie habe ich’s gesichtet und wie säuberlich ausgelesen, das Korn!“ keuchte er und rang die Hände. „Daß auch nicht eine Drespe oder Rade dazwischen bleiben sollte! Jedes Korn, möchte ich sagen, habe ich beinah einzeln durch meine Hand laufen lassen, und ich habe zuletzt noch alles auf der flachen Hand gehabt und unter meinem Atem, daß auch nicht ein Stäubchen dazwischen bleiben sollte. Zwei Tage fast habe ich daran gearbeitet, dann hatte ich’s aber auch blank wie’s Gold, das in den Schlössern liegt. Und dann habe ich den Sack zugebunden und ihn so, wie ich meine, heute morgen auf die Schulter genommen. Und der Herr ist gar nicht ungnädig gewesen. ‚Guten Tag, Oelkers!‘ rief er schon von weitem, ‚und wie geht’s denn jetzt auf dem wüsten Hofe?‘ fragte er und nickte mir ordentlich freundlich zu, der Herr. Als ich ihm nun meine Sache vorbringe und ihm klage, daß ich den Meierzins noch nicht ganz hätte zusammenkriegen können, daß ich aber ’s Korn mitgebracht hätte, da ist er ganz gnädig gewesen, der Herr und hat mir bis Neujahr Frist geben, aber erst das Korn sehen wollen, denn am Korn erkenne er den Charakter — sagte er. ‚Herr Baron‘ sage ich, ‚das Korn soll gewiß nicht schlecht für mich sprechen‘, sage ich und knüpfe den Sack auf“ — — Er machte eine Pause und schüttelte die geballten Fäuste. „Ich denke, ich kriege ’n Schlag, wie ich das Korn sehe. Der Herr guckt mir ins Gesicht, guckt in den Sack, greift hinein und hat gleich die Hand voll Drespen und Raden, hat er. Er tut einen Fluch, der Herr, und wirft mir die Handvoll wütend ins Gesicht. ‚Deine Väter,‘ ruft er, ‚waren brave Leute; aber du bist ein Hallunke — bist du! Und gehörst an den Schandpfahl — gehörste!‘
So einer aber kriegte den Hof nicht, und ich solle mich auf der Stelle zum Tore hinauspacken, oder er würde die Hunde auf mich hetzen, die Hunde, sagt er, der Herr.