Da bin ich vor ihm auf die Knie gefallen wie vor unserm Herrgott beim heiligen Abendmahl. Aber es ist alles umsonst gewesen. Es antworteten nur noch die Hunde, und ich habe den Meierbrief nicht bekommen.“
Marten zog die Uhr auf, obwohl die Gewichte noch in der Mitte hingen.
„O je, o je, das ist aber eine schöne Bescherung!“ heuchelte er und verbarg die tief in ihm siedende freudige Erregung in bedauernden Gebärden. „O je, o je, da müssen wir ja beide vom Hofe ’runter! Ei, das wird ’was für die Leute sein!“
„Ja, das haste dir wohl nicht gedacht, daß dein schlechter Streich so ’ne schlimme Folge haben könnte, dein schlechter Streich.“
Marten machte eine abweisende Bewegung und lachte, als lohne es gar nicht der Mühe, sich auf den erneuten Vorwurf zu verantworten.
Steffen sah durchs Fenster. Drüben ging Sophie mit einem Eimer durch den Baumhof. Er atmete keuchend und ließ sich schwer auf den Stuhl fallen, sprang aber wieder auf und rief: „Noch gebe ich ihn nicht verloren, den Hof. Noch nicht! Auch der Herr Rentmeister meinte, daß man den Brei nicht so heiß äße, wie er aufgetan wäre, wenn es mir gelänge, ’nen glaubhaften Zeugen zu bringen, der mir bezeugte, daß ich unschuldig wäre an dem schlechten Korn — sagte der Rentmeister. Denn so würde ich den Meierbrief ganz gewiß noch bekommen. Und der Zeuge kannst nur du sein, Marten, ja! Und ich will dir auch gewiß den Streich nicht weiter nachtragen, wenn du dich jetzt als ’n ordentlicher Bruder zeigst, gleich morgen am Tage zum Herrn hingehst und ihm sagst, wie ich ohne mein Wissen zu dem schlechten Korn gekommen wäre. Und du hättest mir ’n Schabernack gespielt, brauchste nur zu sagen und daß du alle Schuld auf dich nähmest ...“
Martens Gesicht wurde lang und starr, während Steffen in dringendem und flehendem Tone fortfuhr: „Du wolltest ja im vorigen Jahre schon so gern für ’n Vater gehen. Also wirst du jetzt auch für deinen Bruder gehen können, Marten. Ich werde es dir gewiß immer gedenken.“
Marten tat ganz entrüstet. „Ich soll also zum gnädigen Herrn gehen und mich schlecht machen bei ihm, daß er seine Hunde auf mich hetzt, wo ich doch ganz unschuldig an der Sache bin.“
Steffen schluchzte.
„Bruder, es steht unser Hof auf’m Spiel, das Erbe unserer Väter,“ klagte er und klammerte sich wie in Todesangst an die auf Marten gesetzte Hoffnung. „Ich will ja auch gar nicht mehr sagen, daß du’s gewesen bist. ’s kann ja auch irgend ein anderer boshafter Mensch gewesen sein, ’s haben mich ja freilich genug gesehen bei der Arbeit, die vielleicht ihren Spott darüber gehabt haben. Aber wenn du auch unschuldig bist — tu eine Brudertat und nimm die Schuld auf dich. Es kann dir zuletzt doch ganz einerlei sein, wenn der gnädige Herr schlecht von dir denkt; du hast ja weiter gar nichts mit ihm zu schaffen, mit ihm. Übrigens wird er ’n Schabernack auch noch nicht gleich für ’ne Schlechtigkeit anzusehen brauchen, der Herr.“