Mit dem Essen wurde er trotz seines Hungers heute rascher fertig als sonst, er strich mit dem Messer über das Hosenbein, daß es wieder blank wurde, stand auf und guckte durchs Fenster. Ein Glücksgefühl quoll in ihm auf, und des Argwohns gegen seinen Bruder ganz vergessend, begann er nun von seiner Fieke zu sprechen. Was sie nur dächte, daß er sich in der großen Sorge der letzten Zeit gar so wenig um sie gekümmert hätte. Gewiß würde sie schon ganz böse auf ihn sein; darum wollte er nun doch gleich den kleinen „Katzensprung“ tun und ihr zeigen, daß er noch lebe, und wieder bei Sinnen sei, und wollte ihr sagen, was für einen hilfsbereiten Bruder er habe. „Wie ’n Jakob im alten Testamente nicht gehabt hat!“ rief er in seiner pfiffigen Weise und lachte aus vollem Halse, daß er diesen Witz gemacht hatte.
Marten schmierte seine Sonntagsstiefel mit Tran ein, wobei er dem Bruder nicht ins Gesicht zu sehen brauchte, und sagte: Mädchen wären Dinger, die erst am Feierabend kämen. Jetzt gäb’s noch an was anderes zu denken, an ganz was anderes. Das Beste und Richtigste wäre es, seiner Meinung nach, träte er dem Herrn gleich mit dem gereinigten Korn unter die Augen; darum möchte Steffen lieber ein anderes Mal zu seiner Fieke gehen und ihm jetzt das Korn sichten helfen. Dann wollten sie auch sehen, ob sie in den Giebeldocken nicht noch ’n paar Sperlinge erwischen könnten, daß das Schock womöglich noch voll würde.
Natürlich war Steffen sofort auf der Seite des Bruders. „Dann muß sich Fieke eben noch ’n Tag gedulden,“ sagte er und biß in seinen schwarzen, kräftigen Knust, daß es nur so „mülmte“, wie Meister Drewes gesagt haben würde.
Da krächzte einer auf der Küchendiele: „Habt ihr noch ’n Marten für ’n Swän?“
„Für ’n Swän ist immer noch was da!“ rief Marten, und da holscherte es schon die Treppe herauf. Ein kurzer und ein langer Tritt, und dazu dieser Gesang aus heiserer Kehle:
„Dat miene Fru nich danzen kann,
Dat makt dat lahme Been,
Un wenn se mit mi danzen sall,
Denn fangt se an to ween’.
Et ward all wedder, et ward all wedder