„Das war mit dem Vizekönige auch nicht anders, aber wir haben ihn doch verdauen müssen,“ stichelte Oppermann und drückte das linke Auge zu, während er mit dem rechten die beiden ansah.
Steffen bot ihm den Buddel noch einmal, und nachdem er noch einen guten Zug getan hatte, holscherte er vergnügt wieder treppab, gefolgt von den Brüdern, die nun eilends auf die Scheune gingen, um beim Scheine der vierscheibigen Leuchte das Korn zu sichten.
Zwölftes Kapitel.
Nach Mitternacht war ein leichter Schnee gefallen, gegen Morgen ein scharfer Frost gekommen. Eine herbe Kälte strich durchs Tal, von den Bäumen stoben die feinen glänzenden Krystalle, daß es wie ein ordentliches Klirren tönte, als Marten mit dem Einspänner vom Hofe fuhr.
Steffen mußte, als er Wasser holen ging, mit den Eimern schon ordentlich auf die junge Eisdecke stoßen, um ein Fülloch zu bekommen. Er wunderte sich aber erst eine Weile hinterher darüber, denn seine Gedanken waren heute bei allem, was er vornahm, weit weg. Sie waren mit dem Bruder gegangen, begleiteten ihn auf Schritt und Tritt, ermunterten und stärkten ihn.
Von Zeit zu Zeit sprach er leise vor sich hin: „Es ist nur gut, daß er den Wagen genommen hat, denn so ’ne Tracht Zinskorn kann verteufelt drücken.“ — „Jetzt wird er bei dem Hagedorn sein, wo der Vater mal den dreibeinigen Hasen sah, der ihn so grausig groß anguckte.“ — „Jetzt ist er gewiß in der kalten Grund, wo die drei Bäume stehen.“ Und dazwischen dachte er: „Es ist doch ’n guter Mensch, mein Bruder, werde es ihm nie vergessen, und Fieke soll auch gut mit ihm sein, ja, das soll sie.“ —
Nun spähte er wieder nach den kahlen Bäumen über dem Bache aus; aber es zeigte sich kein Rock und kein Schuh.
„Werde gegen Mittag ’mal ’rüber gehen,“ beruhigte er sich, „gewiß ist sie böse, daß ich mich in dieser Zeit so wenig um sie gekümmert habe.“
Als die Turmuhr zehn schlug, quoll es auf einmal ganz heiß in ihm auf; er rannte über den Hof, atmete schwer und rief vor sich hin: „Jetzt wird er am Schlosse sein. — Jetzt ist er gewiß schon beim Herrn.“