Es wurde ihm siedendheiß im Gesicht, er bückte sich, schloß mehrmals die Augen und hielt sich die Hände an die Ohren, um nicht zu sehen und zu hören, was nun vorging. Er lief nach der Küche zurück, jagte die Hühner vom Herde, stieß einen Eimer um und polterte aufgeregt umher, daß die Hühner mit wildem Geschrei durcheinander flogen, in die Eimer und Töpfe „bliesterten“ und einen fürchterlichen Wirrwar machten. Ein Topf flog in Scherben auf dem Boden herum, und um ein Kleines wäre dem geheimnisvollen Kruge, den Steffen aus dem wackelnden schwarzen Schranke nahm und zu einem geräuschvollen Zuge an die Lippen setzte, das gleiche Schicksal passiert.

Er kratzte sich den Kopf, schlug sich angesichts der Scherben mit der Faust auf die Stirn und sagte in einer Art Verzweiflung: „Wieder so ’n schöner, schöner Pott hin! Und sechs Dreier hat der gekostet!“

Ja, freilich! Und sechs Dreier waren keine Kleinigkeit.

Er trug die Scherben hinaus an den Bach, guckte nach Drewes Hause, kehrte geschwind wieder um, sprang die Treppe zur Stube hinauf, nahm den zerbrochenen kleinen Spiegel vom Schranke, guckte hinein, scheuerte sich mit dem hinter der Stubentür hängenden graulichen Handtuche das Gesicht, strich sich das lange, wirre Haar zurecht, hastete wieder hinaus und tauchte nach wenigen Minuten drüben zwischen den Eichen auf. Er betrat aber nicht den Pfad, der durch den Baumhof nach der Haustür führte, sondern blieb auf dem links abbiegenden Fahrwege, dem das Haus gegen die sonstige Gewohnheit der Bauernhäuser die Rückenwand zukehrte. Durch die kleine zweiklappige Hintertür gelangte man sogleich in die Küche.

Steffen spähte und horchte und guckte dann wieder ins Feld hinaus, als käme er nur so von ungefähr vorbei.

Die Tür war geschlossen; aber neben der Obertür befand sich eine schmale Klappe, die offen stand. Er ging sachte über den knirschenden Schnee, guckte hinein und zog eine krause Stirn, denn Meister Drewes hatte mal wieder den ganzen Küchenraum inne, und da blieb gewöhnlich für die Frauen kein Platz.

Steffens Herz pochte, er spähte in dem dämmerigen Raume vergeblich nach der schlanken Mädchengestalt. Da der Meister, der sich gerade am „Radestock“ beschäftigte, ihn nicht bemerkte, blieb er eine Weile unmutig stehen.

Der Radestock, der gerade durch das Klappenlicht beleuchtet wurde, war ein schmales, mit Feldsteinen ausgemauertes und von einem schweren Eichenrahmen umgebenes Loch, das zum Radaufspeichen diente.

Meister Drewes stand mit gespreizten Beinen über dem Loche und suchte mit einer „Zapfenlehre“, einem Holzstücke, in dem sich das Normalloch befand, die Dicke der Speichenenden zu bestimmen.

„No, immer so fleißig, Andreisvetter?“ rief Steffen endlich hinein.