„Wie du siehst, Junge!“ antwortete Drewes, ohne sich sogleich in seinem Eifer stören zu lassen. Er zirkelte noch drei Speichen ab, ehe er die „Zapfenlehre“ an die Wand hängte und den Türriegel zurückschob.

„No, Steffen, läßte dich auch ’mal wieder sehen?“ begrüßte Drewes ihn und sah über ihn hin ins Feld, als ob der dort kreisende Krähenschwarm ihn interessiere.

„Ja seht, Andreisvetter,“ erwiderte Steffen und schabte sich das Bein, „ich hatte die ganze Zeit den Kopf so voll, daß ich bald gar nicht mehr wußte, wo er stand. Es ist doch keine Kleinigkeit, wenn der Vater gestorben ist, und man muß nun auf einmal für alles Rat schaffen.“

„No gewiß! Ja, Junge!“ sagte Drewes in etwas verlegener Weise und deutete auf einen neben der Bohrbank stehenden Hauklotz. „Mußt schon ’mal mit dem Sitze vorlieb nehmen. Ich wollte gern das Salrad noch zurecht haben. Soll heute abend abgeholt werden, und was man verspricht, das muß man halten. Sonst — er stockte etwas, eh’ er endete — sonst kann man ’n Menschen hernach nicht gerade ins Gesicht gucken.“

Steffen nickte. „Laßt Euch man ja nicht aufhalten, Andreisvetter!“

„Stoß dich nur nicht an der Deichsel, Junge!“ mahnte der Alte in einem Tone, als müßte er wieder etwas gut machen.

Die Deichsel kam aus einem Wandloche und ging quer durch die Küche bis nahe an die andere Wand, — weil die angebaute Scheune zu kurz war, um den Wagen mit der Deichsel in sich aufzunehmen.

Steffen sah unruhig an dem Kamine hin, setzte sich zögernd nieder und gedachte nun von seinen gestrigen Erlebnissen anzufangen, besann sich aber sogleich eines besseren. Fragte Drewes nicht, wollte er auch nichts sagen, sondern warten bis zum andern Abend, da er den Hof doch sicher gemeiert haben würde.

Und Drewes fragte wirklich nicht, sondern fing, während er die Kefferschraube in das Nabelloch brachte, vom jungen Frost an und erzählte danach lang und breit von den schwersten Wintern, die er erlebt hatte und langte zuletzt beim Wicken-Thies an.

Steffen hörte geduldig zu, ließ aber seine Augen immer um den Herd herum schweifen. Der Wäschestein neben dem Herde, der Kesselhaken über dem Herde, der dreibeinige „Stritten“, das dunkle Backofenloch unter dem Herde, das blanke Geschirr an der Wand, die weißen Eimer auf der Bank — jedes einzelne fiel ihm heute ins Auge, erregte sein Interesse, löste seltsame Empfindungen in seiner Seele, weil er mit allem die ersehnte Gestalt des Mädchens in Verbindung brachte. Es war vielleicht so etwas wie das poetische Schauen der Liebe, das, aus tiefster Seele aufsteigend, plötzlich die rohe Sinneshülle des Bauernburschen durchbrochen hatte und nun sein Denken und Fühlen im Banne hielt.