Sie hörten, wie draußen vor dem Ofen die Holzabfälle hingeschüttet wurden. Gleich darauf trat Sophie in die Stube. Ihr Gesicht war auffallend blaß, und ein herber, fast trotziger Zug hatte sich um ihre Mundwinkel gelegt.

Drewes suchte auf der Hobelbank, nahm einen Meißel und drückte sich nach der Tür, denn er war angesichts seiner Tochter immer entwaffnet, mochte sich auch noch so viel des Unmuts und Ärgers in ihm angesammelt haben.

„No, Vater, nun gehste wieder ’raus!“ rief die Frau ärgerlich und redete ihm noch deutlicher mit Augen und Stirnfalten zu. „Das Rad kriegste doch wohl noch fertig.“

„No, ich muß mich dran halten,“ erwiderte er, „und du kannst mir dann man gleich das Wasser heiß machen, Fieke, daß ich die Speichen kochen kann.“

„Aber erst wollen wir ’mal ’n Wort über was anderes reden,“ bestimmte die Mutter, als das Mädchen wieder nach der Tür gehen wollte. „Als ich höre, war Steffen vorhin beim Vater?“

Sophie machte eine halbe Wendung von der Mutter ab. „Mutter, der braucht um meinetwegen nicht mehr zu kommen!“ fiel sie fast heftig ein.

Die Mutter stand auf und stemmte die Hände in die Seiten. „I, du bist ja ein ganz schlechtes Mädchen — biste ja!“

Sophie preßte die Lippen aufeinander, über ihre Wange rollte eine Träne.

Vor den Augen seiner Frau zum äußersten getrieben, begann nun der Alte, der bis dahin den Meißel an den Schwielen seiner Hand probiert hatte: „Mädchen, denkste denn gar nicht daran, daß dein Versprechen auf dem Kirchhofe eingegraben ist? Denkste denn gar nicht daran? Wär’s bloß ein Versprechen zwischen euch zweien, zwischen dir und Steffen, wollte ich schließlich sagen: Das müßt ihr miteinander abmachen. Lebende können lösen, aber die Toten — die Toten halten fest.“

„Denn grabt mich nur auch in den Kirchhof hinein!“ schluchzte das Mädchen.