Steffen hielt inne und stand auf. Ein jäher Gedanke zündete ihm durchs Hirn.

Wenn Marten ihm das Mädchen abwendig machte! Wenn er es vielleicht schon getan hätte — — —. Eine heiße Angst und Unruhe überfiel ihn, und hoch auf loderte in ihm die Flamme der Eifersucht.

Er lief die Treppe hinab, ohne zu wissen, was er wollte. Wenn das wäre, wenn Marten ihn dem Mädchen zuwider gemacht hätte ... Er biß die Zähne zusammen und ballte die Fäuste, aus seinen Augen sprühte ein zorniger Blick. Er fühlte, er könnte auf einmal ein ganz anderer Mensch werden ...

Plötzlich hüpfte wieder das kleine schwarze Huhn über die Schwelle herein, das schon einmal wie ein Hahn gekräht hatte.

Steffen sah es düster an, stieß mit dem Fuße nach ihm. Da flog es auf den Herd und hob den Hals und machte abermals eine Stimme wie ein Hahn.

„Jetzt mußte dran!“ knirschte Steffen und schlug die Haustür zu, daß es in den Wänden hinauf dröhnte; und griff nach dem Huhne und jagte es so lange, bis es ermattete und in der Ofenecke sich zu verkriechen suchte.

Da packte er es und riß ihm den Kopf ab, daß das warme Blut ihm ins Gesicht spritzte.

Denn also muß man nach uralter Meinung solch einem Teufelshuhne tun, man muß ihm den Kopf vom Rumpfe reißen, um dem Unheile, das es ankündigt, zuvor zu kommen. —

Die ungewöhnliche Tat hatte die Spannung seiner Seele gebrochen und ein neues Gefühl in ihm ausgelöst. Der regungslose Körper mit dem rinnenden Blute brachte ihn in eine eigentümliche Verlegenheit, er wurde klein und weich, versteckte das Huhn, wusch das Blut ab und stieg wieder zur Stube hinauf.

„Wie kann ich nur auf so Arges kommen?“ sagte er vor sich hin; „Marten denkt ja lange nicht mehr an das Mädchen: würde er sonst den sauern Weg zu dem Herrn gemacht, ihm obendrein so bereitwillig das Geld versprochen haben, hätte er seinem Glücke im Ernste zuwider sein wollen?“