»Mich dünkt«, antwortet’ ich wieder, »nach Allem, was Ihr mir sagtet, kann es unmöglich anstehen, daß

meines Vaters Begehren unerfüllt bleibe, dem eine so mächtige Fürsprache zur Seite steht, wie die Graf Eberhard’s.«

»Mich dünkt, mich dünkt«, sprach Klingsohr ärgerlich nach. – »Was dünkt Euch denn von uns? Wähnet Ihr, Meister Tannhäuser und hier ich, der Magus, haben uns oben davon gemacht und seien in dieser Burg bei den geizigen Alten in harter Arbeit gestanden, ich mit dem Pülverlein drinnen beim griesgreisen Pförtner, mein Gesell gar mit dem Alrunzauber bei der scharfohrigen Pförtnerin allein unter’m Galgen, allwo er jetztunder noch aushält, das edle Herz; wähnet Ihr, dies Alles sei von uns gethan, bloß daß Ihr zeitiger Euren edlen Namen erführet und Eure ritterliche Geburt, als es sonst geschehen wäre. Wähnet Ihr das wirklich? Ja freilich, ’s ist ja eine Zeitung, die man nicht alltag zubringen kann, daß aus einem Singer ein Junker worden ist, und daß einer aus der Abtei und den Regeln St. Bernhard’s in die Herrschaft über Land und Leute gesetzt werden soll. – Jedennoch, Junker, das ist hier die Meinung nicht. Wie? dort die Thür steht offen, der Alte schläft und sie sucht nach der Alrune – und Ihr besinnt Euch noch? Auf, gewinnet Euch selbst die Freiheit, nach der Euch gelüstet! Der Weg ist offen; ich führe Euch.«

Und er nahm sein Windlicht wieder zur Hand.

»Aber«, sprach ich, tief erregt von dem, wozu er mich ermunterte, »wenn ich’s thäte und ohn’ Urtheil und Recht dem Kloster entränne, so brächt’ ich mich auf’s Neue in Fährniß, und geistlicher und weltlicher Arm möchte mich bedrohen; ich hinderte die, so meiner Erledigung günstig sind, daran, mich zu schützen, und

der Bischof würde mich, wie auch unser Orden des geistlichen Standes desto weniger entlassen!«

»Wie?« rief da der Kurze unwillig wieder. – »Dahin steht Euch der Sinn? – Als Ihr die Friedsamkeit und Demuth beweisen solltet, die man Euch im Kloster gelehrt hat, da waret Ihr kampflich gemuthet, und da es Euch als fahrendem Singbruder viel nützer gewesen wäre, Euch fein zu ducken, daß Ihr heil entschlüpfen möchtet, da bewieset Ihr Trutz und waglichen Widerstand – aber jetzt, wo Ihr des Ritterthums genießen sollt, zeigt Ihr ein Herz wie ein Lämmlein! – O, lieber Junker, denket doch nicht, wen die Kirche einmal eingethan hat und gar dem Mönchsstand zugezählt, den werde sie so bald wieder losgeben; habt nur wohl Acht, mancher Tag wird vergehen, bis sie sich über die geistlichen und weltlichen Rechte verglichen haben werden, dieweil Ihr in Haft hungert, schwitzt oder frieret, wie es Euch geliebt! Der Gernsteiner, halt’ ich, wird schon dafür sorgen, daß Ihr Euch an solch’ Leben gewöhnet. Und endlich, seid Ihr wiederum im Kloster, nimmer mehr daraus zu entwischen« – –

»So rathet Ihr mir –?« unterbrach ich ihn.

»Ich rathe Euch – ho! wie sanft das ’nem fahrenden Magus thut, daß er einem Junkerlein rathen darf – ja, ich rath Euch gut, Herr; traut dem Bischof nicht, noch seinem Voigt, noch sonst wem außer Euch selber und der Gunst der jetzigen Stunde, die Euch freien Ausgang verstattet dank der Kunstübung Eures geringen Dieners und seines Gesellen! – Ah, Junker, ’s ist wahr: Ihr seid dazumal übel gefahren mit uns, und habt uns billig darum gescholten – aber die Noth, Junker, die zwingende Noth trug die Schuld daran!

Drum laßt uns jetzt desto baß Euren Dank verdienen. Hatten wir nicht sogleich am Anfang uns’re Freud’ an Euch? Haben wir uns nicht gebrüdert? Sahen wir heut’ nicht und hörten’s, daß an Euch ein meisterlicher Singer verloren wäre, und ein wackerer Ritter dazu, so Euch das Kloster erhielte?«