»Doch seid Ihr’s gewesen«, sagt’ ich, »die mich durch ihr Anzeigen meines Standes dem Bischof überantworteten!«

»So brachten wir Euch doch aus des Gernsteiners Gewalt, der Euch wohl so fest verwahret hätte und übel gehalten, daß wir mit keiner Kunst Euch hätten erlösen können. – Das sind wir nun zu thun willens worden und lag uns doppelt hart an, nachdem Eure Ritterschaft an’s Licht gekommen ist. – Eilet denn, werther Junker! Gewinnet die Freiheit, indem Ihr sie brauchet! Wie süß wird sie Euch eingehen an der Seite Herrn Bruno’s! Wir geleiten Euch, wir Wegkundige, und gewiß, wir werden ihn finden.«

Ich hatte sinnend gestanden und wußte nicht, was erwählen; denn ich fühlte, daß ich vor eine große Entscheidung geführt war. Aber der Ruf, der an mich ergieng, lockte zu laut – und so folgt’ ich dem Klingsohr, der schon in der geöffneten Pforte stund, ungeduldig mein harrend.

Ohne sonderliche Fürsicht schritt er mir den Gang voran. »Die beiden Alten sind noch festgehalten«, sagt’ er dabei: »er vom Pülverlein, sie von der Alrune, und vor anderer Begegnung sind wir sicher allhie!«

Also befand sich’s auch; der Alte schlief, da wir durch’s Stüblein kamen, und wir gelangten unangefochten hinaus auf die Stiege. Von derselben führte ein hölzerner

Gang außen zu einem Pförtlein in der Mauer des Burghofs, durch das die Alten in einen zur Burg gehörigen Krautgarten den Zugang hatten. Er war von einer hohen Mauer eingeschlossen.

»Hier können wir nicht hinab«, sagte mein Geleitsmann leise zu mir; »nur drüben, wo der Berg steiler ist und die Mauer drum nicht so hoch, mögen wir’s vollbringen.«

Damit drängte er mich weiter, den schmalen Weg voran zur Seite der Mauer. So kamen wir an’s Ende des Gärtleins und zu einer Thür, die war offen, und auf steinernen Stufen traten wir in einen zweiten Burggarten ein, der aber zur Sommerlust bestimmt war und in lauter lieblichen Blumen und Ziergebüschen prangte. Ja, das that er auch in dieser Sommernacht, denn obgleich weder Mond noch Sterne schienen, war sie als zur Johanniszeit hell und wie von einem milden Dämmerlicht übergossen, in dem man Jegliches umher deutlich sah; und Blätter und Blüthen schimmerten mit einem sanften Lichte, als hätten sie etwas vom Glanze des langen Sommertages zurückbehalten wie einen schwachen Widerstrahl. Es hatte einen warmen Regen zur Nacht gegeben: noch hiengen die Blätter tropfenschwer, und die Luft, von keinem Windhauche bewegt, war weich und feucht; sie war auch voll würzigen Geruchs und süßen Duftes, der aus ungezählten neu erfrischten Blüthen quoll und aus solchen, die in dieser wonnigen Sommernacht zum ersten Mal ihren Kelch erschlossen. Wie sog’ ich all’ diese stille Herrlichkeit mit Sinnen und Herzen ein nach der Angst des Gefängnisses, ob ich gleich an dem Frieden und der Glückseligkeit, die mich umgab, keinen Theil

haben durfte; denn mein Weg war ohne Recht, verhohlen und bedroht.

Leise schritten wir hindann.