»So bist Du’s, Diether, und bist frei?« Wiewohl ihre Stimme bebte, als sie das sagte, klang es doch im hellsten Jubelton wie der Ausruf einer Seele, der unerwartet die Bande schweren Leides gelöset sind.
Ein Schauer durchrieselte mein Gebein, als sie in hochgehender Freude mir entgegen eilte und mit ihren beiden Händen die meinigen ergriff. Ich sah ihr in’s Angesicht: ihr Mund lächelte und ihre Augen waren voll Thränen.
Da konnt’ ich mich nicht länger enthalten, umfieng sie mit meinen Armen und küßte sie.
»Ja«, flüsterte ich, indem ich sie umschlungen hielt, »ich bin frei, und immer selig sei die Stunde, da ich’s ward; denn sie offenbarte mir, Süße, Deine und meine Herzensliebe!«
»Weh!« rief sie da mit dem Tone des Schreckens, indem sie mit Heftigkeit sich mir entriß, »weh, was hab’ ich geduldet! Diether, ich bin verlobt! Nimmer wieder laß mich solch ein Wort hören! Nein, nein! – Entweich, wir sind ewig geschieden!«
Flehend bat sie so, aber streng zugleich und gebietend stund sie vor mir, hoch aufgerichtet. Der Gedanke, so von ihr verstoßen zu werden, erfüllte mich mit Grauen. Ich sank vor ihr auf die Knie.
»Irmela,« bat ich, »nicht also treibt mich von hinnen! Kein Gefängniß sieht so finster und freudlos mich an, als rings die weite Welt, so ich Euch muß verloren geben. Ich kann nicht mehr von Euch lassen, nimmer, nimmer! Die sehnende Herzensliebe hat mich bezwungen! O, auch Dich, Irmela; läugn’ es nicht! Das Leid, das über mich gekommen ist, hat ihre Heimlichkeit Dir kund gethan und diese Stunde auch mir. Nie kannst Du dem Manne folgen, dem Dein Herz nicht zugehört!«
»Ich lieb’ ihn nicht,« sagte sie leise.
»Aber hier in meinem Herzen bist Du beschlossen, Irmela, und ich bin’s in Deinem. Ach, wohl gleicht unsere Liebe dem Sturmvogel, der gegen Wind und Wetter durch zuckende Blitze in mitternächt’ge Wolken fliegt; aber hinter ihnen, Irmela, glänzt die Sonne und seine Schwingen sind Adlerschwingen!«
Sie schwieg; aber mir war’s, als athmete sie schwer und mit leisem Beben erzitterte sie.