Wohl sah ich, daß sie ihnen nicht entgehen konnte. Sie konnte sich im Garten nicht verbergen, den die Leute gewiß durchsuchen würden, und auch, wenn sie zurück wollte in ihr Gemach, mußte man auf sie treffen.
Sollte sie durch mich in Verdacht gerathen und
Ungemach? Sollte sie gepeinigt werden mit Fragen nach mir und ihr reines Gemüth zwischen dem Wunsch schweben, unsere Heimlichkeit mir zum Schaden nicht auszubringen, und der ungewohnten Nöthigung, durch Falschheit sich heraus zu helfen?
Das durfte nicht geschehen. Die Gewißheit ihrer Herzensliebe zu mir hätte mir jeglich Opfer leicht gemacht. Ich besann mich nicht.
»Seid getrost, Irmela!« rief ich. »Ich gewinn’ Euch Zeit.« Und bevor sich Klingsohr deß versehen konnte, der allbereits zur Weiterflucht vorangeeilt war, nicht zweifelnd, daß ich ihm folgte, sprang ich den Weg zurück, den wir gekommen waren, gerade auf die Gartenpforte zu, den Eindringenden entgegen.
Ich gedachte durch die Überraschten hindurchzustreichen, oder doch, so das nicht gelänge, sie so lange aufzuhalten, bis Irmela hinein wäre, und dann ihnen zu entrinnen. Meine schnellen Füße, hofft’ ich, sollten mich retten, bis ich an einen Ort käme, geschickt zu einem Sprung die Ringmauer hinab.
Aber was soll ich sagen? So gerieth es mir nicht. Zwar daß meine Verfolger in den Garten eindrangen, verhindert’ ich. Denn wie ich nach der Pforte rannte, wandten sie sich mir Alle zu mit lautem Geschrei. Doch es waren Ihrer zu viele, als daß ich hindurchzubrechen vermochte oder sie bestreiten konnte, ich Waffenloser. Es währte nur eine kleine Weile, so war ich von ihnen umringt und ergriffen, und ein Gefangener des Bischofs von Speyer, wie vorhin.