Es war doch Alles umsonst; eins nach dem Andern ward abgerissen und wie zum Hohn wild durch die Luft geführt, oder es sank zitternd zur Erde nieder – eins nach dem andern! – Schon konnt’ ich die übrigen an den Fingern meiner Hände zählen – dort eins – dort eins – und dort eins!
Ob wohl auch sie heute würden abgelöst und der Baum ganz kahl werden? –
Ach, es war heut ein traurig Ding um ihn und den Himmel dahinter! –
Als ich zuerst hier in diese Zelle hereingeführt und hinter mir die Thür verschlossen ward, daß ich allein wäre (wie war ich’s gewohnt geworden seitdem!) mein Sinnen und Denken abzuziehen vom eitlen Wesen der Welt und nur auf meine Schuld zu lenken und heilsame Büßung: wie winkte mir da durch’s Fenster das dichtbelaubte Gezweig so freundlich entgegen! Schwellende Früchte, zu Trauben gesellt, schauten daraus hervor, und blitzendes Licht vom blauen Himmel her spielte zwischen den grünglänzenden Blättern. –
Das war zur Johanniszeit, am Tage, nachdem ich in’s Kloster auf Erfordern des Abtes und mit Bewilligung des Bischofs war zurückgeführt worden. Ich war in den Capitelsaal gebracht, allwo der ganze Convent sich versammelt hatte, daß ich vor den Abt gestellt würde, mein Urtheil zu empfahen, wie mit mir zu handeln wäre im Kloster. Denn obgleich meine Erledigung zurück in den weltlichen Stand allerdinge nach dem Spruch derer, denen die Entscheidung unterstünde, zu erharren wäre, so hätte ich doch meine Untugend und all’ das Ärgerniß, so ich gegeben, als dem Cisterzienser Orden zugehörig, verübt, und müßte daher gemäß der heiligen Observanz und St. Bernard’s Regel zum Heil meiner Seele, zur Befestigung der Guten, zur Stärkung der Schwachen, zur Warnung der Sichern mit mir gethan werden.
Solches Alles ward mir vor den Brüdern im Capitel von Abt Albrecht verkündigt, der dazu eine Rede that, die mir recht das Heimlichste meines Herzens vor Augen kehrte, daß ich sah, wie schwarzer Farbe es
war; denn er war gewaltig in Worten. Er nannte den Tag, da er von meiner Sünde hätte hören müssen, den traurigsten von allen, seit ihm der Abtstab in die Hand gegeben wäre; er beschrieb meinen Sinn, wie schlimm geartet er wäre und unwerth, daß ich all’ sein Vertrauen, das er zu mir gekehrt, und seine gute Meinung so gröblich zu Muthwillen und Verübung loser Narretheidinge gemißbraucht hätte; er sagte auch: wenn der Herr und Weltenrichter schon den unnützen Knecht in die äußerste Finsterniß und in die schrecklichen Höllenschlünde verweisen wolle, darum daß der Schalk mit dem einigen ihm verliehenen Centner nicht gewuchert habe, welche Qual werde sich der verdienen, welcher hohe und edle Gaben, so er von Gott empfangen, dazu verwende, daß er damit unsers Herrn und seiner heiligen Kirche Ehre, statt sie zu erbauen, kränke und ganz niederlege!
Darnach fragt’ er mich, ob ich etwas zu sagen hätte, so sollte mir das verstattet sein.
»Würdiger Vater!« sagt’ ich da. »Es ist Alles wahr, deß Ihr mich zeiht. Ich habe schwer gesündigt wider Gott, wider Euch, wider den heiligen Orden. Aber so wahr ich Euch und dem würdigen Convent hier von der ewigen Dreifaltigkeit beständige Genüge erwünsche, so gewißlich kann ich Gott im heiligen Stande nicht länger dienen, habe nur ein Verlangen, mich zum ritterlichen Leben zu schicken, und bitt’ Euch demüthig: Helfet mir dazu!«
Durch solche Worte, sagte wieder der Abt, erfände sich’s desto gewisser, wie völlig mein Herz geblendet wäre. Darauf ward ich dem Frater poenitentiarius zugewiesen, daß er die geistlichen Büßungen, so mir aufzulegen, leiten und in Allem meiner armen Seele