»Ob wir des Junkers gedacht haben, Gesell!« sprach da der Kurze und stieß den Angeredeten hinter meinem Rücken an. »Nur gedacht?! – Gesprochen haben wir von Euch, Herr, alltag und heut sonderlich und eben jetzt wieder! Und, Junker, ich sag’ Euch: immer in solcher Meinung, wie sie treuer nicht sein könnte, wenn Ihr schlecht unser Kunstbruder wäret und nicht hochbürtigen Stammes.«

»Seid von Herzen bedankt dafür«, sagt’ ich, »aber der Singekunst denk’ ich auch jetzt nicht zu entsagen, habe ich sie letzthin gleich nicht geübt.«

»Die Kunst verbrüdert, aber mehr
Doch scheidet Ansehn, Stand und Ehr,«

sprach der Tannhäuser dazwischen und war nachdenklich.

»Fürwahr! so ist die Welt gericht’t,
Doch unser Junker Diether nicht«,

sagte Klingsohr ihn begütigend. – »Nein! Ihr nicht, um den wir uns gegrämet haben und gesorgt, seitdem sie Euch von uns rissen und wir trotz all’ unserer harten Arbeit und Zauberkunst und Alrune Euch dahinten lassen mußten, wo Ihr zuvor gesessen, eingethan und versperrt! Ihr nicht!«

»Ach, Junker«, fuhr Klingsohr fort, »wie schön hatt’ ich Euch allbereits hinaus, und wie balde wären wir hinunter gewesen, aber das Fräulein – das

Fräulein!« – dabei sah er mich von der Seite an und winkte mit dem Finger. – »Ach, Junker, es war da auch ein Zauber, der Euch zurückhielt und ein stärkrer als meiner, der Euch des Gefängnisses entledigen sollte.«

Und er lachte und schlug, als wüßt’ er genug von derlei Sachen, um sich ihrer noch zu verwundern, mit seiner Hand scherzweise auf mein Knie.

»Jungfraunlieb ist fahrend Hab,
Heut Herzliebster und morgen: schab ab!«