sang der Tannhäuser, als thät er’s in Gedanken.

War ich über Klingsohr’s Rede roth geworden, so verdroß mich seines Gesellen Liedlein. »Schweig!« gebot ihm der Magus, der meinen Ärger wohl vermerkte. »Schweig, Gesell, und laß mich dem Junker vermelden, wie wir keine Ruh’ gehabt haben, bis wir für gewiß über ihn erkundeten, was aus ihm geworden; wie wir endlich überein gekommen sind, nach ihm zu spüren in Maulbronn, müßt’s selber unter seines Abtes Bettsponde sein. – Ach, Junker, wir dachten nicht anders, als es wär’ Euch Luft und Licht versagt und Ihr hörtet außer der Litanei, die Ihr selber singen müßtet, nur die Mäuslein pfeifen Tag und Nacht. ’s ist uns drüber, Junker, manches Mal die Lust vergangen am Essen – und am Trinken auch.«

»Daran verloren unterdessen
Nicht viel die Kehle noch der Bauch,«

sagte Tannhäuser und winkte abwehrend mit der Hand.

»Ah, ah, Junker!« sprach Klingsohr wieder; »Er red’t nur so – nur aus Bescheidenheit, sag’ ich Euch; nur aus Bescheidenheit. – Ein kaiserlich Mahl hätten wir uns versagt für Euch – und heut, ja heut möchten wir eins halten für lauter Freuden, daß Ihr wieder

heraus seid. – Sagt’ uns nun, wie ist’s Euch gelungen damit, Junker? Aus einem Thurm Einen von dannen bringen, freilich, ist auch ’ne Sach’! Aber aus ’nem Kloster sich davon machen, wenn sie erst einen redlich eingefangen haben und mit Geißelung und Pön ihn christlich bedienen – ha, ha! – das nenn’ ich eine rechtschaffene Kunst.« Und er schüttelte sich vor Lachen. »Ihr versteht sie, Junker! Ihr versteht sie! Welche habt Ihr gebraucht? Des Nachts entwischt, he? oder am Tag die Wächter getäuscht, oder Gewalt geübt oder –«

»Nichts von dem Allen hab’ ich geübt, noch sonst keinerlei Widerrecht«, gab ich ihm zur Antwort; »sondern nachdem ich des Klosterlebens entlassen, bin ich nach eigener Wahl gegangen und frei öffentlich.«

»Die Welt ist böse aller Orten
Und selten gut;
Gern weilt’ ich hinter Klosterpforten
In sichrer Hut«,

sagte der Tannhäuser und sah sinnend in’s Feuer.

»Wie, Junker?« fragte Klingsohr und sperrte vor Verwunderung seine kleinen Augen so weit auf, als er’s vermochte, »wie? Ihr seid nach Urtheil und Recht losgegeben?«