»So ist’s«, sagt’ ich, »und anders nicht. Der Bischof selber hat sich bei des Ordens Oberhäuptern für mich eingelegt, daß nach meines Vaters Willen geschehe. Darnach hat das General-Capitel der Cisterzienser es verwilligt, und hier bin ich auf dem Wege gen Speyer, allda von Herrn Gebhard die Vollmachten zu empfahen, und was sonst nöthig ist zur Wiedererlangung meiner ererbten Rechte zu betreiben.«

Auf diese Worte schlug der Kleine die Hände zusammen und rief:

»O Wunder groß! Nun dies geschah,
Wähn’ ich, der jüngste Tag ist nah!«

»Was ist da so größlich zu verwundern«, fragt’ ich wieder, »daß man mildiglich handelt und nicht so gar nach dem strengen Recht, so Keinem dabei zu nahe geschieht?«

»Herr, Herr!« rief der Klingsohr. »Ihr kennt der Welt Lauf nicht; Ihr kennet ihn bis auf’s Härlein nicht, sag’ ich, Klingsohr! – Entweder die Welt hat sich geändert und die heilige Kirche dazu – oder Ihr seid ein Sonntagskind, eine weise Frau hat Euch zur Tauf’ gebracht und ein Nix war zum Gevatterschmause geladen. – Sonst steckt noch was dahinter, sag’ ich Euch; könnt’ ich’s nur ausfindig machen.«

Dabei lupfte er seinen Hut, strich mit der Hand durch sein Kraushaar und sah mit gespitztem Munde den entschwebenden Rauchwolken nach. – Ich wußte zu seinem seltsamen Wesen, das er zeigte, nichts zu sagen und schwieg.

»Und was gedenkt Ihr, wenn Ihr beim Bischof Alles nach Wunsch ausgerichtet habt«, fragt’ er, sich wieder zu mir wendend, »was gedenkt Ihr hernachmals zu thun, Junker, so man das wissen darf?«

»Warum nicht, Klingsohr!« gab ich ihm Bescheid. »Dann gedenke ich Herrn Eberhards Gunst und Beistand zu suchen –«

»Wozu?« fragte er rasch. Ich war von der Art, wie er das Wort sprach, ein wenig gewirret; doch faßte ich mich und sagte: »Zu Vielem; zu Allem, deß ich Neuling in der Welt an Rath und Führung

brauchen werde, denn meinen Vater weiß ich nicht zu erlangen.«