»Gar manchem Mann
Bleibt’s Herz gesund,
Nur wenn ihm, was ihn nah geht an,
Nicht wird auch kund.«

»Wahr, Bruderherz, wahr ist Dein Spruch!« rief Klingsohr. »Drum sag’ ich:

Nimm jede Gunst, wie sie Dir ward,
Und baue nicht auf ferne!
Du findst zuletzt die Schale hart
Und Bitterkeit im Kerne!«

»Nicht zuletzt nur!« sagte der Singer wieder und schüttelte sein Haupt, als wär’ ihm an All’ dem in keiner Weise gelegen:

»Frauengunst, –
Blauen Dunst
Ich acht’ sie.
Wer begehrt,
Was da werth,
Verlacht sie!«

Da mocht’ ich dies ihr Räthselspiel, mit dem sie, wie ich wohl vermerkte, auf mich zielten, nicht länger ertragen. Ich sprang vom Sitze zwischen ihnen ärgerlich auf, sah sie finstrer Miene an und sagte: »Ich bitt’ Euch, Freunde, lasset ab von solchem Gespräch; denn es ist mir verdrießlich zu hören. Sagt mir frei offen, was Ihr wisset von Elzeburg, das mir Hinderung sein sollte, dorthin mich zu wenden.«

Auf solche Worte gab sich der Tannhäuser das Wesen, als nähm’ er sich meiner Rede nicht an und müßte sein Gefährte alleine zusehen, wie mir zu antworten wäre.

Der aber stellte sich vor mich hin, blickte scharf in mein Gesicht und hub also an: »Junker Diether, seht Ihr! Euch ist’s um des Grafen Schutz und Beistand allein nicht zu thun! Noch eine andere Gewalt zieht Euch nach Elzeburg. Schaut nicht weg! Ach, ich verarg’s Euch nicht. Kein Christenmensch darf’s Euch verargen, der das Fräulein gesehen hat und was Huld sie Euch erwiesen. Und ich – wie sollt ich’s, der ich vom minniglichen Abschied weiß, den Ihr von ihr nahmet? O, Herr! so etwas vergißt sich nicht. Wie? Zum Wenigsten in Euren Jahren nicht. Es spinnt seine Fäden zart und gülden wie Sonnenstrahlen durch die Werke des Tages und durch die Träume des Nachts – immer fester, immer zäher – und um’s Herz wickeln sich die Fäden, bis es sich gar darin verstrickt – und die Einsamkeit ist die Spinnerin. – Nicht so, Junker, nicht so? Ah, Ihr wagt nicht zu leugnen – es braucht’s auch nicht gegen den Klingsohr – es braucht’s wahrlich nicht? – Nun denn, Junker, hört wohl zu! – Aber zuvor versprecht mir Eins! Laßt den Boten seine Botschaft nicht entgelten. ’s wär Unrecht; es wär’ gegen uns wahrlich groß Unrecht! Denn so Ihr’s heut erfahret, und Ihr nehmt’s auf mit ziemlichem Verstand und als ein Mann, der seine Fahrt durch die Welt ruhmeswerth und klüglich ausrichten will, so werdet Ihr Euch in’s Künftige viel nutzlos Weh und Ach ersparen und die Sprüchlein, die Ihr von uns zur Stunde gehört habt, werden mit

ihrer Weisheit an Euch nicht verloren sein. – Wohl! Nein, nicht wohl; Euch wird’s übel dünken, so übel, daß Euch die Wiederfahrt gen Elzeburg gar verleidet wird: und just das ist’s, was ich Euch vorhin rieth. – Also, Junker, Euer Graf möcht’ jetzt für Euch die Zeit nicht haben und seine Nichte desgleichen nicht. ’S sind zur Stunde andere Gäste willkommen in Elzeburg. Wir, mein Gesell hier und ich, zogen vorbei da jüngst vor etlichen Tagen. Es geht da hoch her, in lauter Lustbarkeit. Warum auch nicht? Der Gernsteiner hat seine Braut wiedergewonnen und ihren Mahlschatz dazu – so doch Beides, wie es das Ansehen hatte, ihm eine Weile verloren war. – Ist nicht erneute Liebe zwier so heiß? Und kann man sich über die Glückseligkeit, die jetzt das Fräulein neben ihrem Bräutigam merken läßt, verwundern, so man bedenkt, er möchte sonst besorgen, sie gedächte Eurer etwan – und ist doch schon bereits vier Monde her oder fünf, seit sie Euch nimmer gesehen. Stellt’s Euch nur für! fünf Monde!!« –

»’ne lange Zeit
für eine Maid,
Zweimal eine Ewigkeit.«