sagte der Tannhäuser dazwischen.

»Ja, mein Treu, Junker, das ist’s«, sagte Klingsohr bestätigend. »Ihr seid zu lang ausgeblieben.«

»Ihr seid unrecht berichtet«, rief ich, »gewiß, Ihr seid es in dem, was Ihr da von Elzeburg sagt. Ich glaub’ es nicht, es kann nicht sein. Ist aber Eure Rede dennoch nach der Wahrheit, so werd’ ich’s in Speyer erfahren. Bis dahin, bitt’ ich Euch, laßt uns

der Sache nicht mehr gedenken, sondern des Mahles, so Ihr etwas zuzurüsten habt, daß wir unser Herz stärken und dann des Weges weiter ziehen.«

So sprach ich. Aber mein Gemüth gedachte gar anders. Inwendig war’s mir, da ich diese Zeitung von Irmela vernahm, als erschallte aller meiner Freude recht das Grabgeläute und wäre mein froher Muth mitten in’s Herze getroffen. Ich saß schweigend nieder und mochte auch nicht ferner auf die Beiden merken, wie sie ihr Küchenwerk angriffen. – Darum war mir’s lieb, daß sie fragten, ob ich, derweilen sie zurüsteten, auf das Feuer Acht haben wollte.

Der Abend war schnell dunkel geworden und die Rauchwolken wirbelten im röthlichen Glanze weithin sichtbar empor. Ich blickte ihnen nach unverwandt, wie eine nach der andern sich dahinwälzte und immer wieder gleich dieser im Dunkeln sich spurlos verlor. Sollte so auch der helle Glanz der Glückseligkeit, der mir im Herzen aufgegangen war, trüb und trüber werden und endlich in Nacht verschwinden? O, ich fühlte, das könnte nicht sein. Ich fühlte, wenn sie, der all’ mein Herz in Treue zugethan war, mir verloren wäre, wenn sie mein vergessen hätte, dann müßte mir die Welt immer öde bleiben und ich aus ihrem Glück verwiesen. Aber, sollt’ es denn Wahrheit sein, was ich gehört hatte? Sollten diese lieblich lichten Blicke, sollte dieser lächelnde, falschesfreie Mund, sollte der innigliche Druck dieser Hände mir gelogen haben? Sollte dies Alles, was mich umgewandelt hatte und mein innerstes Sinnen und Meinen bezwungen, ihr nur Spiel gewesen sein? Konnte sie sich von mir kehren und nicht darnach fragen, daß die tiefe Wunde,

so ich von ihr empfangen, immer offen stehen würde? Nein, es war nicht möglich! Und unmuthig stieß ich in die Flamme, daß die Funken mit Geprassel stoben und zuckend in der Luft auf und nieder fuhren, ehe sie verloschen. Ihnen glichen die Gedanken, die mir jetzt wild durch’s Herz strichen. Wie? Wenn man die Maid wider ihren Willen zwänge zum verhaßten Ehebunde? Wenn unsere Heimlichkeit kund geworden wäre und sie wähnte, ich bliebe festgehalten im Kloster und sie harrte mein umsonst? – O, dann wollt’ ich jeglich Wagniß bestehen, sie zu befreien, und keine Fährniß sollte mich schrecken, gerieth ich gleich in die Irre und mein Pfad in die Nacht.

Da blickte mich ein theures Angesicht wie aus einem Spiegel traurig und liebreich an. Immer mit den aufsteigenden Flammen schwebt’ es empor; es winkte und warnte und rief mich leise mit süßem Namen. – »Unser kleines Leben ist wie ein Rauch; meines ist bald verschwunden. Denke, daß es heut geschieht.«

Und ich saß und sah in’s Feuer, wie die Flammen züngelten und die Wolken röthlich dahin zogen, bis die Nacht sie verschlang. –