es mit gar lieblicher Stimme, denn Alles, was süß und sanft thut dem Herzen, was wonnig ist und holdselig, das nennt sie ihm mit Namen und verheißt es ihm. Aber wenn er dessen am frohsten zu werden gedenkt, dann muß er erfahren, daß sie auch das Verderben groß gezogen, das ihn um Fried’ und Freude bringt. Lang und schwer ist hernachmals der Weg zurück zu finden, und Mancher kommt um unterwegs. Darum ist’s besser, es bleibt Beides unerprobt, der Welt Lust und der Welt Leid, denn sie lohnet jenes mit diesem allzu hart, und recht erwogen, ist ihre Wonne ihres Wehes nicht werth.«
Mir war’s, als seufzte er leise bei diesen Worten.
»Nun denn«, sagt’ ich wie vorhin, »ich hab’ diesen Dingen noch wenig nachgesonnen, acht’s auch nicht für wohlgethan, denn sie helfen nur zur Herzensschwere, wie mich dünkt. Aber unter Gottes Schutz gedenke ich getrost gen Speyer zu ziehen, dort meine Sache zu beschicken und denselben Muth und Sinn heimzubringen, mit dem ich ausgezogen bin aus unserm Kloster.«
»Du thätest besser«, sprach er, »so Du umkehrtest und ließest den Abt ohne das Conterfey. Du sagtest ihm, Deine Seele müßte Dir mehr gelten, als das Bild.«
»Das würde mir übel stehen«, sagt’ ich fast unwillig, »und mich zum Gelächter machen im ganzen Convent.«
»So will ich Dir noch einen Rath geben«, fuhr er fort, als wollt’ er mich durch Scherz begütigen, »sieh zu, daß Du ihn besser befolgst. Bleib hier und siedle bei St. Wigbert’s Kirchlein. Wir leben hier in Verborgenheit und edler Freiheit mit einander, bis Du mir
mein Grab gräbst und mich hineinbettest. Wie? Du sagst nicht mit Freuden ja und mißkennest solche Ehre? So verbeut Dir Brun jede Ausrede und will, daß Du Dich auf’s Ohr legest und schlafest.«
Damit stund er auf und achtete nicht weiter auf mich.
Wirklich war ich so müde, daß sich meine Augen willig senkten und ich bald entschlief. Aber zu vielerlei und zu Neues hatte ich an diesem ersten Wandertage durchlebt, als daß mein Schlaf hätte traumlos sein können. Sonderlich des Alten eindrucksvolle Gestalt stund immer wieder mir vor der Seele; bald rauh, bald milde erschien er mir, wie ich ihn am Tage gesehen hatte. Zuletzt war mir’s, als führ’ ich mit ihm über ein strudelndes Wasser und er spräche zu mir: »Das ist die Welt! Willst Du sie kennen lernen, so spring hinein und wag’ es zu schwimmen.« Da warf er die Ruder weg, und unser Kahn tanzte in immer engeren Kreisen dem Abgrunde zu. Ich bat ihn flehentlich, mich und sich zu retten und wollte seine Knie’ umfassen. Im Schlaf mocht’ ich da wohl eine heftige Bewegung gemacht haben, denn ich erwachte. Doch wie! saß er da nicht noch immer an den letzten Gluthen des verglimmenden Feuers?
Ich behielt den Anschein des Schlafens und sah ihm zu.