Mach’ wieder, süßes Vögelein,
Den Träumer froh;
Wo wohnest Du, in welchem Hain,
Ach wo? ach wo?
Vom Suchen bin ich worden krank,
Sag’ an, sag’ an!
Wann hör’ ich wieder Deinen Sang,
Ach wann? ach wann?

Ja, zum Traumbild, das der Erwachte doch nicht vergißt, ward Alles, was ich hier erlebt hatte, und der wachende Träumer fühlte, es würde ihm nie wieder erscheinen!

Nun war der volle Mond über das Gebirge emporgestiegen; von seinem Licht erblichen die Sterne am wolkenlosen Himmel, aber ringsumher erblitzten in seinem Strahl auf Blättern und Blüthen viel tausend Tropfen. So war mir hier Irmela erschienen und hatte über meine Seele und über die Welt um mich her ein mildes, verklärendes Licht gebreitet. Leise trat ich hinaus in den vollen Schein. Da vernahm ich leichte Schritte, und dort, umglänzt vom leuchtenden Gestirn, trat sie selbst hervor wie ein schimmerndes

Traumbild. Als sie auf mich zukam, nahte ich mich ihr mit ehrerbietigem Gruß und dankte ihr für die reiche Gabe, mit der sie mich erfreut hatte.

»Meister«, sagte sie gütig, »es ist nur die Antwort auf Eure Frage um mein Geheimniß. Und ob Ihr wohl Eures behalten habt, so seid Ihr doch nun auch Eures Verspruchs ledig, denn wie er lautete, so habt Ihr auf Euer Singen mich jetzt nicht länger harren lassen. Ich hörte droben Euer Lied und das eben lockte mich hierher. Wohlklingend ist die Weise, die Ihr als die erste mir gesungen habt, doch gar traurig.«

»Es hat auch die letzte sein sollen, Jungfräulein!« erwiedert’ ich. »Ihr wißt, ich scheide heut’ von Elzeburg.«

»Aber doch nicht für immer«, fuhr sie fort. »Ich denke, Ihr bleibt fortan in meines Oheims Dienst und schon in Speyer nach wenigen Wochen verhoff’ ich Euch bei ihm zu finden; denn zum Johannisfest hat er mich dorthin beschieden.«

»Wär’ es aber doch vom waltenden Gott anders gefügt«, sagt’ ich wieder, »denn ungewiß von einem Tag zum anderen ist des Menschen Vornehmen, so vergesset, Jungfräulein, nicht meiner Bitte und denket nimmer Arges von mir!«

Da reichte sie mir die Hand und sprach: »Das versprech’ ich Euch, Meister Diether! Aber ich achte, Ihr seid zu besorglich und habt wohl noch Euer unsicher fahrend Leben im Sinn. Nein, noch manch Lied hoff’ ich Euch singen zu hören und manch fröhliches.«

»Das walte der reiche Gott, daß frohen Gesanges immer Euer Sinn begehre!« rief ich da.