»Und Deine Hand war’s, die ihn schlug?« keuchte sie schwer athmend und richtete sich hoch empor.
»Die Liebe zu Dir bezwang mich also, daß ich’s that,« sagt’ er, düster blickend wie vorhin.
»So Fluch Deiner Liebe!« hört’ er sie rufen, und schrecklich klang ihre Stimme. – »Fluch Deiner Liebe, Fluch jeder Augenweide, damit ich geschmückt war, sie zu wecken, und Fluch jeglichem Wort und Lächeln, dadurch das höllische Band sich knüpfte!«
»Halt ein, Joconda!« rief Bruno entsetzt. »Du fluchst Dir und unserem Kinde dort.«
Da war sie mit einem Sprunge hin zum schlafenden Knaben, riß ihn vom Lager und umschlang ihn fest mit ihren Armen. So stund sie drohend, der Löwin gleich, die ihr Junges vertheidigt. »Nimmer soll dies Kind, das Deine Blutthat mit dem Kainsmal des Brudermordes gezeichnet hat, Dich mit dem süßen Vatersnamen rufen lernen, den Du mit Trug und Mord Dir erschlichen; und zuvor müssest Du mich erschlagen wie meinen Bruder, ehe Deine Mörderhände je wieder den Knaben berühren oder mich.«
Er wagte nicht, sich ihr zu nähern, noch Antwort zu geben auf ihre wilden Worte; ihre Blicke schienen ihm wie Blitze, daß er nicht zu ihr aufzusehen vermochte. Aber flehend streckte er seine Arme aus nach ihr.
Da stürzte sie, als litte ein Grauen sie nicht mehr nahe bei ihm, ehe er’s hindern konnte, an ihm vorbei hinaus in die Wildniß.
Als er mit Schrecken ihr nacheilte und sie mit Namen rief, wandte sie sich und rief: »Wag’s, mir zu folgen, so wird der Abgrund hier zu meinen Füßen mich und das Kind zerschellen.«
Und er zweifelte nicht, wie er sie sah, daß sie thun würde nach ihren Worten. – Als ob eine neue Kraft ihr verliehen wäre, klomm sie behende, dem gescheuchten Wilde gleich, den Bergeshang hinan, und droben auf vorspringendem Felsgestein sah sie noch einmal hernieder, bog ihr Haupt, das wirr das schwarze Haar, vom Winde aufgelöst, umwehte, zurück und reckte ihren Arm abwehrend gegen den Genossen
ihrer Schuld. Dann hub sie das Kind, das sie trug, hoch gegen den Himmel und war verschwunden. –