»Nein, nein, HErr!« hört’ ich ihn murmeln. »Nicht dieses Bild jetzt neben die süße Erinnerung!«

Ein breiter Strahl des Mondes drang durch das dichte Gitter der Bäume draußen und das kleine Fenster und glitt durch den engen Raum hin zur Wand dem Alten gegenüber. Wie es dort hell das Bild der Gottesmutter umspielte, ward sein Blick, da er sein Haupt wieder erhob, dorthin gelenkt. Irgend etwas an dem Bilde mußte ihn erschrecken. Denn er erzitterte auf’s Neue. Und doch konnt’ er nicht widerstehen, dahin zu blicken, was der lichte Schein ihm wies.

»Und Du drohest immer wieder«, sagt’ er dabei mit Flüstern, »und ewig blutet die Wunde?«

Da sah ich ihn aufspringen und das Schwert aus der Seite des Bildes ziehen, darin es stak. Er trat damit in das Licht und ließ den Stahl darin blitzen.

»Ja«, rief er dann mit leisem Stöhnen, »sie sind noch immer da – die blutigen Flecken, und keine Zeit hat Rost genug, sie zu verzehren!«

Und jetzt schwang er die Waffe mit wilder Gebärde, und es hatte das Ansehen, als wollt’ er sie gegen sich selber richten und es schüfe ihm Mühe, davon abzulassen, und ich hört’ ihn dabei klagen: »Verloren all’ – all’ verloren!«

»Hilf, Herr!« dacht’ ich. »Er ist von Sinnen kommen!« und richtete mich in die Höh’.

Da wandt’ er sich und wie er mich ersah, schüttelte er heftig sein Haupt, streckte die Arme gegen mich und

rief mit drohender Stimme: »Du da? Du bist der Bringer schrecklicher Dinge! Du weckst auf zur Mitternacht, was mit Mühe begraben war!«

Und als ich weiten Auges und sprachlosen Staunens voll nach ihm blickte, rief er wieder: »Sieh nicht so her mit diesen Augen! Es ist nicht! Es ist Lug auch dies, und nimmer heilt die Wunde!«