Wie die Braut geheißen würde und woher sie käme, konnt’ ich nicht erkunden; doch bezeugten sie, das volle Lob, das edlen Sitten und prangender Jugend gebühret, würde von der Sage der Leute ihr zuerkannt.

Unser Weg führte uns im Bogen aus dem Thal eine nicht kleine Höhe hinan. Weil die Bauern da oben zu ihrem Ackerwerk hinaufziehen mußten, wie sie mir sagten, so war die Straße breit und sanft ansteigend bereitet und gemächlich aus ihr zu schreiten. Hoher Buchenwald zu Seiten unseres Weges hinderte den Ausblick. Um so mehr war ich betroffen von der weiten Fernsicht, die mir sich darbot, da ich auf dem Scheitel des Berges angelangt war und aus dem Wald in’s Freie trat. Da sah man weithin Gebirg’ und Land, und unten vor sich das muntere Thal mit Burg und Dorf auf und nieder, wie es von den Bergen anmuthig umkränzt war. Aber auf dies Alles blieb mein Blick nur einen Augenblick hingelenkt; denn das Bild, das ich in der Nähe vor mir sah, nahm all’ mein Aufmerken gefangen.

Da lag vor mir weit hingestreckt ein Wiesenplan, der beinahe die ganze Breite des Berggipfels einnahm.

Sonst besuchte diese Stätte wohl nur der Hirt mit seiner Heerde, wenn er sie hinauf zur Weide trieb, oder auch die Bauern kamen dahin zur Grummetzeit, und wenn sie auf den anliegenden Feldern ackern oder ernten wollten. Aber heut’ gieng’s auf der Höhe ganz anders, lärmend und fröhlich zu. Zu Haufen stunden da die Menschen umher, thaten sich gütlich und hatten ihre Kurzweil, die gekommen waren, das Lustlager der Herren und Ritter und was dabei an Festlichkeiten vorkommen würde, mit anzusehen. Da verführte männiglich, wie es zu geschehen pflegt, wenn die Menge müßig ist und in Erwartung neuer Dinge, ein Getöse rings um mich her, da ich unter sie schritt, daß es schier in meinen Ohren erbrauste. Ich merkte bald, daß der Meisten Augen und Sinne nach jener Seite gerichtet waren, wo ich gleich anfangs, da ich die Aue übersah, das Lager der Herrschaften wahrgenommen hatte.

Da war unter einem Nußbaum, der hoch und weit seine dichtbelaubten Äste streckte, und etwas in der Mitte der Bergwiese stund, von seinem Stamme aus ein Überdach aus buntem Gewebe gespannt mit purpurnen Quasten, das vorne Stäbe trugen, die in Gold und Silber erglänzten. Unter diesem Überdach zur Erde waren Teppiche gebreitet mit schimmernden Borten; darauf stunden Sessel, die auch mit kunstreich gesticktem Zeuge überdeckt waren; als das Meisterlichste aber in zierlicher Arbeit und reicher Pracht mußte Jedermann die Decken auserkennen, so von der Höhe des Daches zur Erde niederhiengen und hinten den Raum abschlossen: sie schienen aus lauter Seide, Purpur und Gold gewebt zu sein. Als ich mit Staunen all

diese edle Kunst betrachtete und Einen, der mir zunächst stund, fragte, was wohl des Gezeltes Bedeutung wäre, sagt’ er mir, das wäre für die Braut bestimmt, von da aus den Spielen zuzuschauen, die zu ihren Ehren würden gehalten werden. Die reichen Decken aber hätte der Bischof aus seiner Hofhaltung von Speyer hergeführt. Daß ich da wieder vom Bischof Gebhard hörte, schuf mir wenig Freude, und mahnte mich daran, daß ich sicherer anderswo weilte, als wo er mir begegnen könnte oder ich ihm; doch er kannte mich ja nicht von Person, und wie sollte mich Irgendwer aus der Menge herausfinden, so ich mich nur klüglich hielt. Zudem wuchs mir heftig die Neugier, da ich von der Braut hörte, ihren Namen zu erkunden und ob es wohl Irmela wäre. So lugt’ ich denn mit Eifer nach vorn, vielleicht da unter den Knechten, die hin und wieder liefen, einen vom Elzeburger Gesinde zu erkennen. Mit meiner hohen Gestalt sah ich, wenn ich mich ausreckte, leicht über die Häupter der Meisten. So erblickt’ ich denn, ungehindert von dem Haufen, der mich umdrängte, Alles, was da für die Herren und ihre Gäste hergerichtet war. Ich sah reiche Gezelte und unter grünem Gezweig Tische, das Mahl zu halten. Seitwärts im Schatten des Waldraines stunden Rosse und Saumthiere, mit Halftern an die Äste der Bäume gebunden, oder an eingezäunten Stellen grasend.

Unweit von da waren von Brettern Tische und Bänke für die Knechte hergerichtet, und unterschiedliche Rauchsäulen, die hie und dort hinter Bäumen emporstiegen, ließen erkennen, daß man zum Mahle rüstete; wie denn auch jetzt schon unter einer schattenden Buche ein Schenke aus einem großen Faß

Jedermann, der aus dem Volk da hinzutrat, den Becher oder Krug füllte. Wiewohl nun da die Geschäftigkeit der Diener um die Zelte und Tische groß war, und auch ritterliche Herren, in reichem Schmuck gekleidet, sichtbar wurden, so konnt’ ich doch aus der Menge Keinen unterscheiden als einen Solchen, den ich vordem schon gesehen hätte. Aber all’ dies Wesen und Leben vor mir erschien meinen Neulingsblicken doch so werth der Betrachtung, daß ich nur immer unverwandt hinstarrte und mit Herzklopfen nach den Zelten, ob etwan aus deren einem die Braut schreiten möchte.

So mocht’ ich höher denn sonst mich gereckt haben, gar nicht achtend, ob ich nicht auch selbst ringsum Allen so bemerkbar würde, als ich hinter mir eine Stimme vernahm, von der ich gewiß war, daß ich sie nicht zum ersten Mal hörte.

»Sieh dort den Mönch, der mit uns briet
Dein Gänslein, eh’ uns Krumholz schied.«