Nun trat ein Edelknecht mit dem Kleinode herzu, daß die Maid mich damit begabte. Sie aber sprach zu mir: »Diesen Becher will ich Euch zuvor credenzen, dann sollt Ihr ihn aus meiner Hand empfahn.«

Darauf erhuben sich die Herrschaften von ihren Sitzen, daß sie zu den Tischen giengen und sich am Mahle erletzten, ehe die ferneren Freudenspiele mit Stechen, Laufen und Tanzen angestellt würden. Ich aber, als ich wieder aufrecht stund, wußte nicht, was ich erwählen sollte: Die Klugheit rieth mir von hinnen zu weichen, aber Sinn und Gemüth hielten mich fest an der Stelle. Da nickte auch der Herr Gebhardus mir gnädigen Beifall, und ich sah, daß Graf Eberhard

sich anschickte, mit mir zu reden; aber weil just die Herren alle aufbrachen und der Bischof sich zu ihm wandte, daß sie selbander hinweggiengen, so ward der Graf von mir geschieden und dadurch mein Herz ein Merkliches erleichtert; denn gewißlich wär’ ich seines Forschens wenig froh worden.

Während man so sich aufmachte, schritt Irmela unterm Überdach der Laube herfür an mich heran, grüßte mich und sprach: »So ist’s denn doch also geschehen, wie ich sagte, da Ihr von Elzeburg schiedet, Meister Diether, und Ihr habt uns mit Eurer Kunst gedient.«

»Ja, vieledle Jungfrau,« erwiedert’ ich, »und am hohen Freudenfeste Euch zu Ehren, zu dem ich ungedacht gekommen bin.«

»Und nachdem Ihr von den Elzeburgern ungedacht entwichen seid,« sagte sie hinwieder und lachte.

Da sah ich die Maid inniglich bittend an: »O lasset, warum ich’s that, als eine Heimlichkeit meines Herzens verschlossen darinne bleiben, und wenn ich heut für immer von Euch scheide, so glaubet, daß Euch in Freuden und Glückseligkeit zu leben Diether ohne Unterlaß von Gott erwünschet und dem ganzen himmlischen Heer.«

»Wohl,« sprach sie da, »so sei es darum und Ihr möget Eure Heimlichkeit bewahren; ich will nicht arg von Euch denken, wiewohl sie groß ist.«

Damit hielt sie mir mit Gütigkeit ihre Hand entgegen, daß ich sie an den Spitzen der Finger erfaßte. Das geschah behende und mit Scheu, aber mein Gemüth gewann davon eine Freudigkeit.

Doch da nahete der von Gernstein. »Man harret