Euer«, sagt’ er zur erkieseten Braut mit höfischer Gebärde, und führte Irmela den Tischen zu; mich aber streifte sein Blick herrisch und unmuthig. Da merkt’ ich, daß er überstolzen Sinnes war. Aber die Maid an seiner Seite schien deß nicht zu achten; sie kehrte im Gehen ihr Angesicht noch einmal freundlich zu mir hin und sagte: »Gedenket des Bechers zeitig genug und kommet, wenn wir zu Tische sitzen, daß ich ihn Euch credenze.«
Damit giengen die Beiden hindann und mir schien’s, als wäre er unmuthig, daß sie mir das Gespräch gegönnt hatte.
Nun erhub sich eine nicht kleine Bewegung um die Tische, wo die Herrschaften das Mahl halten sollten, und unfern davon, wo den Knechten die Bewirthung bereitet war. Auch das Volk zerstreute sich hierhin und dorthin nach Gefallen, die Meisten, um sich zum Imbiß zu lagern, den sie mit sich gebracht, oder der Verehrung nachzugehen, die der Bischof in seiner Mildigkeit Jedermann spenden ließ, der ihrer begehrte. So kamen auch Viele an mir vorüber, wiesen auf meinen Kranz und preiseten mich öffentlich wegen meiner Kunst und des Lohnes, der ihr geworden. Manche wunderten sich dabei, daß ich da also stille stund, wie ein Verlassener, und meinten, mich hätte die Huld, die ich genossen, allzu blöde gemacht.
Da gedacht’ ich daran, daß es hochnoth wäre, mich davon zu machen, bevor mich Einer von vorhin wiedererkennte, der mich da im Klosterrock gesehen hatte. Zudem trieb mich auch der Anblick der beiden Fahrenden hinweg, die ich unweit gewahrte, wie sie mit Fleiß auf mich achteten, als solche zwar, die darüber nicht von mir gesehen sein wollten.
Ich säumte also nicht länger und schritt in den Wald, wo ich das wenigste Volk wahrnahm. Da wär’s gewißlich mir das Nöthigste und Fördersamste gewesen, wenn ich sogleich den Versteck aufgesucht hätte, in dem ich vorhin meinen langen Rock verborgen, hätte den angethan und mich davon gemacht. Aber da ich am Waldessaum mich sicher wähnte und unbeachtet, sah ich mich noch einmal um, ließ meinen Blick über all’ das bunte Gewimmel schweifen und lugte über die Zelte und nach den Tischen hin, Irmela im Geist noch einmal zu grüßen. Da fühlt’ ich, daß es mir schwer ward, von dem Allen Abschied zu nehmen, und wie ich doch dieses Mal als ein Anderer in’s Kloster heimkehren würde, als der ich von dannen gezogen war. So stund ich mit eifrigem Aufmerken der Augen und doch in vielerlei Gedanken.
Da rief mir, eilend herankommend, ein Diener zu, und sagte dabei, wie er mich am Gezelte vergeblich gesucht und eine Botschaft an mich hätte. Ich trat herzu und fragte: »welche?«
»Von meinem gnädigen Herrn, Herrn Conrad von Gernstein«, erwiederte er, »der Euch durch mich entbieten läßt, es sei nicht von Nöthen, daß Ihr das ersungene Kleinod aus der Hand des Fräuleins emphahet, Ihr möget es Euch von des Bischofs Kämmerer holen, zu dem ich Euch geleiten soll. Auch wünscht mein Herr Euch nicht über Tische zu sehen, sondern begehrt, daß Ihr Euch unverweilt von diesem Feste scheidet, maßen es Euch schon genug des Genießes eingebracht habe. Auf daß Ihr Euch aber anderswo desto baß gütlich thun könnet, läßt er Euch hier einen Goldgulden reichen.« Damit hielt er mir das Geld dar.
Das kränkte mich, daß ich angesehen ward als Einer, der nur bloß auf den Lohn sah, und der Ritter denken sollte, wenn ich nun gienge, ich hätt’ ihm um sein Geld den Willen gethan. Darum sagt’ ich verächtlich: »Behaltet Euren Gulden, und laßt Euren Herrn wissen, mir liegt am Kleinod alleine nichts und an seinem Gelde noch minder! Und wenn ich dahinten bleibe, daß er mich über Tisch nicht sieht, wohin das Fräulein mich entboten hat, so bewegen mich andere treffliche Ursachen.«
»Das Lob Eurer Kunst, fahrender Bruder«, sagte der Knecht spöttisch wieder, »macht, daß Ihr Euch zu hoch vermeßt. – Besinnet Euch: nehmt’s Geld, holt das Kleinod und geht!«
Darauf hielt er mir auf’s Neue seinen Goldgulden hin und lachte. Da schwellte der Unmuth mein Herz, zumal ich sah, wie Leute herangekommen waren und auf uns Acht hatten, und ich stieß das Geldstück aus seiner Hand, also daß es zur Erde rollte.