Wie nun der Bote betroffen dastund, denn er hatte sich von mir deß nicht versehen, so ward nun er den Umstehenden zum Gelächter und einer von ihnen rief ihm zu: »Fahrt säuberlich, Freund, mit dem Singemeister, denn er hat die Art nicht, als geliebt’ es ihm, mit Euch zu scherzen!«

»Dafür trägt er den Kranz«, sagte ein Anderer, »der gibt ihm also hohen Muth.«

Zu solchen Worten wollte des Gernsteiners Knecht auch nicht müßig bleiben, sondern gedachte sein Botenbrot an mir wohl zu verdienen. Er griff also nach einem dürren Stecken, der da nahe bei einem Baume lag, sprang damit auf mich zu und indem er rief:

»Solch’ unartigen Knaben gebührt die Ruthe, sie bessere Zucht zu lehren!« strich er mich, bevor ich mich wenden konnte, über den Rücken. Da enthielt ich meinen Zorn nicht länger, drang auf den Mann mit Ungestüm, eh er sich bedachte, und stürzte ihn mit Wucht zur Erde, daß er stöhnend um Hilfe rief.

Er that es nicht vergebens, denn die Menge lief herzu, und darunter war auch von den Gernsteiner und Speyerischen Knechten ein ziemlicher Haufe. Wie die nun von ihrem beleidigten Gesellen die Ungebühr vernommen hatten, die ihm von mir geschehen war, so wär’ ich gewißlich ohne Aufenthalt in ihre Hände gerathen, und sänftiglich hätten sie mir nicht mitgespielt, wenn da nicht gegen die Anstürmenden mir eine unverhoffte Rettung gekommen wäre.

»Laßt Euch rathen und tastet uns den Singemeister nicht an!« so hört’ ich eine Stimme, die ich wohl kannte; und wie ich seitwärts blickte, woher sie kam, sah ich Helmbolden und Andere mehr vom Elzeburger Gesinde. Die brachen durch den umstehenden Haufen und drängten die, so auf mich einwollten, von mir ab, also daß mich ihrer Keiner verletzen durfte. Solches verdroß die Gernsteiner und ihre Genossen nicht wenig, daß sie den Schimpf nicht strafen sollten, der ihrem Gesellen widerfahren war, und sie bedroheten die Elzeburger laut, wenn sie ihnen nicht Raum gäben, mich zu greifen. Die aber wollten auf sie nicht hören, trutzten ihnen und sprachen mir zu: »Diether, fürcht’ Dich nit; denn wir gedenken Dir’s wohl, daß Du vormalen unsrer Sippe gewesen bist.«

Und so waren sie als eine Mauer um mich herum.

Alsbald entstund zwischen diesen Knechten ein

nicht kleiner Zank um meinetwillen und ein feindliches Drängen hin und wieder, wie es die Streitlust erhöht und Brauch ist, wenn es bald zum Hauen und Stechen kommen soll.

Das war denn sonder Zweifel auch hier ganz nahe, und statt des Freudenspiels, das sie halten sollten, waren sie dabei, sich hitzig zu bestreiten. Aber wie der Lärm wuchs und der Haufe der Gaffer sich mehrte, konnte das Getümmel um mich her auch dem Wahrnehmen der Herren nicht entgehen. Vielleicht auch hatte einer aus dem Gesinde dem Ritter von Gernstein Botschaft dessen gebracht, was sich zutrug. Denn just, als die Knechte auf beiden Seiten das Beste thaten, sich kampflich anzurennen und des Scheltens und Höhnens übergenug verführten: trat Herr Conrad, dem etliche Ritter zur Seite giengen, eilend zwischen sie und gebot ihnen mit drohender Stimme, von einander abzulassen. Er und seine Begleiter hatten Mühe, die Hadernden auseinander zu bringen. Aber sie durften auf die Länge den Herren nicht trutzen. Als nun der ärgste Sturm sich gelegt hatte, ließ der Gernsteiner seine Leute zornmuthig an und schwur theuer bei seiner ritterlichen Ehre, an ihnen den Schimpf zu strafen, den sie da gegen das Gesinde seines werthen Gastes verübten. Da trat der Bote vor, den der Ritter an mich geschickt hatte, berichtete mit vielen beweglichen Worten, wie es ihm ergangen wäre, wie unehrerbietig ich des Herrn Verehrung, die mir zugedacht gewesen, verschmäht, den Überbringer mit Hohn gereizt und zuletzt übel zu Boden gestreckt hätte. Nun schrieen die Andern wieder, bloß mich hätten sie zu greifen begehrt, die ihrem Gesellen von mir zugefügte Schmach gebührend zu