Wohl sah ich, wie er vor’m unerwarteten Angriff, der ihn bedrohte, sich zurückbog und hastiger nach mir ausholte; aber das war ihm nicht mehr von Nöthen. Denn schon fühlt’ ich mich aufgehalten und von den Knechten gepackt, die herzugelaufen waren, den Frevel, der ihrem Herrn bevorstund, zu hindern. So Viele umringten mich, und so sicher waren ihre Griffe, daß wie ich auch mich wand, ich in keinerlei Weise aus der Gewalt ihrer Fäuste mich lösen konnte.
»Bindet ihn«, befahl da der hart beleidigte Ritter, »und bewahrt ihn wohl, den Gauch, der bereit war, sich an mir zu vergreifen; und im tiefsten Kerker meiner Burg mög’ er verschmachten!« Ich wußte, daß sein Haß gegen mich tödtlich war, und dennoch wollt’ ich ihn nicht um Erbarmen bitten. Ich hätt’ es nicht gethan, auch wenn ich da den grausamsten Tod an der Hand gehabt hätte.
Aber Gott verschaffte in dieser meiner höchsten Noth, daß eine Fürbitte für mich laut ward, wie süßere mein Ohr nicht vernehmen konnte. Denn an der Seite des Bischofs war Irmela herzugekommen und
hatte kaum den Jammer ersehen, in dem ich schwebte, als sie an den Ritter sich wandte, und ich merkte wohl, wie sie bleich war und ihre Stimme erbebte in mitleidiger Sorge um meinetwillen.
»Gilt Euch etwas meine Bitte, Herr Conrad«, sprach sie, »so begnadet den Singer, wie schwer auch seine Fehle sein mag, mit der er Euch erzürnet hat, und laßt ihn frei!«
»Ihr thut Eurer Ehre zu nahe, Werthe!« sprach er unwillig, »so Ihr die Macht Eurer Fürbitte für einen Solchen einlegt. – Kommt! Laßt uns nicht länger durch ihn das Fest gestört sein!«
Damit winkt’ er den Schergen, die mich hielten, daß sie mit mir thäten nach seinem vorigen Befehle, und gab den Herren ringsum ein Zeichen, mit ihm zur Lustbarkeit zurückzukehren, indem er sich zur Braut gesellte, sie zu den Tischen zu geleiten. Die aber stund noch unbeweglich: in ihrem Herzen bestritt die maidliche Scheu den sehnlichen Wunsch, mir zu helfen. Aber wie sollte das geschehen? Noch einen Augenblick, so war ich in Banden gefesselt und zu jammerhaftem Ziel hinweggeführt.
Indem waren Andere bereit, meine Errettung aus des Gernsteiners Gewalt zu Handen zu nehmen; wie wohl ihnen das übel und mir zu großem Leide gerieth: nicht die Elzeburger, die noch da stunden; denn sie durften Angesichts der Ritterschaft nicht wagen, sich für mich ferner einzulegen. Aber die zween Fahrenden stürmten in Eile herzu und verlegten dem Bischof, der sich eben zum Gehen anschickte, den Weg.
»Würdiger Herr!« riefen sie mit Hast, und so daß Einer des Andern Rede ergänzte, wenn ihm darüber der Odem ausgieng, »Würdiger Herr! Ihr dürft nicht
leiden, daß Dieser weltlichem Gericht überantwortet werde – Ihr dürft nicht! Der Singer ist nicht, wofür er das Ansehen hat. Wir können’s mit Schriften darthun. Er gehört der heiligen Kirche zu – ist dem Kloster zugesprochen – ist geistlich! Der Abt von Maulbronn hat über ihn Gewalt!« –