Zwölfter Auftritt
Der Graf vom Strahl und das Käthchen.
Der Graf vom Strahl (indem er sie bei der Hand nimmt, und sich setzt). Nun denn, mein Käthchen, komm! komm her, o Mädchen! Mein Mund hat jetzt dir etwas zu vertraun.
Käthchen. Mein hoher Herr! Sprich! Was bedeutet mir—?
Der Graf vom Strahl. Zuerst, mein süßes Kind, muß ich dir sagen, Daß ich mit Liebe dir, unsäglich, ewig, Durch alle meine Sinne zugetan. Der Hirsch, der von der Mittagsglut gequält, Den Grund zerwühlt, mit spitzigem Geweih, Er sehnt sich so begierig nicht, Vom Felsen in den Waldstrom sich zu stürzen, Den reißenden, als ich, jetzt, da du mein bist, In alle deine jungen Reize mich.
Käthchen (schamrot). Jesus! Was sprichst du? Ich versteh dich nicht.
Der Graf vom Strahl. Vergib mir, wenn mein Wort dich oft gekränkt, Beleidigt; meine roh mißhandelnde Gebärde dir zuweilen weh getan. Denk ich, wie lieblos einst mein Herz geeifert, Dich von mir wegzustoßen—und seh ich gleichwohl jetzo dich So voll von Huld und Güte vor mir stehn, Sieh, so kommt Wehmut, Käthchen, über mich, Und meine Tränen halt ich nicht zurück. (Er weint.)
Käthchen (ängstlich). Himmel! Was fehlt dir? Was bewegt dich so?
Was hast du mir getan? Ich weiß von nichts.
Der Graf vom Strahl. O Mädchen, wenn die Sonne wieder scheint, Will ich den Fuß in Gold und Seide legen, Der einst auf meiner Spur sich wund gelaufen. Ein Baldachin soll diese Scheitel schirmen, Die einst der Mittag hinter mir versengt. Arabien soll sein schönstes Pferd mir schicken, Geschirrt in Gold, mein süßes Kind zu tragen, Wenn mich ins Feld der Klang der Hörner ruft; Und wo der Zeisig sich das Nest gebaut, Der zwitschernde, in dem Holunderstrauch, Soll sich ein Sommersitz dir auferbaun, In heitern, weitverbreiteten Gemächern, Mein Käthchen, kehr ich wieder, zu empfangen.
Käthchen. Mein Friederich! Mein angebeteter! Was soll ich auch von dieser Rede denken? Du willst?—Du sagst?—(Sie will seine Hand küssen.)