Penthesilea. Versteh mich recht.
Ich will nicht wissen, wer aus seinem Busen
Den Funken des Prometheus stahl. Ich will's nicht,
Weil ichs nicht will; die Laune steht mir so:
Ihm soll vergeben sein, er mag entflieh'n.
Doch wer, o Prothoe, bei diesem Raube
Die offne Pforte ruchlos mied, durch alle
Schneeweißen Alabasterwände mir
In diesen Tempel brach; wer diesen Jüngling,
Das Ebenbild der Götter, so entstellt,
Daß Leben und Verwesung sich nicht streiten,
Wem er gehört, wer ihn so zugerichtet,
Daß ihn das Mitleid nicht beweint, die Liebe
Sich, die unsterbliche, gleich einer Metze,
Im Tod noch untreu, von ihm wenden muß:
Den will ich meiner Rache opfern. Sprich!

Prothoe. (zur Oberpriesterinn)
Was soll man nun der Rasenden erwiedern?—

Penthesilea.
Nun, werd' ich's hören?

Meroe.—O meine Königinn,
Bringt es Erleichterung der Schmerzen dir,
In deiner Rache opfre, wen du willst.
Hier steh'n wir all' und bieten dir uns an.

Penthesilea.
Gebt Acht, sie sagen noch, daß ich es war.

Die Oberpriesterinn. (schüchtern)
Wer sonst, du Unglückseelige, als nur—?

Penthesilea.
Du Höllenfürstinn, im Gewand' des Lichts,
Das wagst du mir—?

Die Oberpriesterinn. Diana ruf' ich an!
Laß es die ganze Schaar, die dich umsteht,
Bekräftigen! Dein Pfeil war's der ihn traf,
Und Himmel! wär' es nur dein Pfeil gewesen!
Doch, als er niedersank, warfs't du dich noch,
In der Verwirrung deiner wilden Sinne,
Mit allen Hunden über ihn und schlugst—
O meine Lippe zittert auszusprechen,
Was du gethan. Frag' nicht! Komm', laß uns gehn.

Penthesilea.
Das muß ich erst von meiner Prothoe hören.

Prothoe.
O meine Königinn! Befrag' mich nicht.