Seine Briefe aus diesen Jahren verkünden männlichen Schmerz über den Zusammenbruch der Hoffnungen des Vaterlandes. Weniger tief mag er, der mit all seinem Sinnen in der schwäbischen Heimat wurzelte, das eine empfunden haben, was den meisten heimkehrenden Reichstagsmännern nach den großen Kämpfen des Parlaments überwältigend, demütigend auf die Seele fiel: die bettelhafte Armseligkeit der Kleinstaaterei. Seine demokratische Gesinnung blieb in alter Schroffheit aufrecht: sogar den Orden Pour le mérite wollte er nicht annehmen, den einzigen noch unentweihten in Deutschland, den selbst der strenge Republikaner Arago getragen hatte. Die letzten Jahre sind ihm in der Stille wissenschaftlicher Arbeit vergangen. Daß er aber noch lebte in dem Herzen seines Volkes, davon haben ihm alljährlich tausend Zeichen der Teilnahme von fern und nah Kunde gebracht. Sie wurden dem schlichten Manne oft lästig, dem Schwab einst sagte: „Du liebtest nicht das laute Lieben.”
An dem Grabe des Dichters hat das gesamte Volk empfunden, was einst sein Walther dem süßen Liedermunde Reinmars von Hagenau in die Gruft nachrief:
Deine Seele möge wohl nun fahren,
Deine Zunge habe Dank.
Und wie sein Lied nur mit unserer Sprache selber sterben wird, so wird auch fortleben in unserem Volke das Bild des Mannes Uhland, der, menschlich irrend, doch in hohen Ehren, manchen wuchtigen Stein hinzugetragen hat zu dem Neubau des deutschen Staates. Auch im Tode — er selber hat es uns verkündet — wollte er nicht lassen von seinem Volke:
Wohl werd’ ich’s nicht erleben,
Doch an der Sehnsucht Hand
Als Schatten noch durchschweben
Mein freies Vaterland.
Uns aber, die ihn betrauern, bleibt die schöne Pflicht, mit streitbarem Worte und fester Tat zu sorgen, daß die Sehnsucht des Dichters sich erfülle, daß er die Stätte bereitet finde, wenn er kommt — als Schatten zu durchschweben sein freies Vaterland.
Heinrich von Kleist